00:00:00: Also ich finde, das Wichtigste ist eigentlich dass er Tiere nicht langweilen darf und wenn man davon ausgeht dann also wenn es immer originell und immer frisch sein soll und nicht Klischees ständig reproduzieren.
00:00:10: Dann verbittet sich einfach ganz viel von selber ohne dass man da moralisch rangeht.
00:00:19: Wie können wir Polarisierung begegnen?
00:00:21: Und Europa stärken?
00:00:23: Hi!
00:00:23: Ich bin Muster Scherzader und das ist Gesellschaft besser machen.
00:00:27: ein Podcast der Körberstiftung.
00:00:29: Hier spreche ich alle zwei Wochen mit verschiedenen Menschen die genau diese Fragen bewegen.
00:00:38: Was darf Satire?
00:00:39: Diese Frage beschäftigt uns seit über hundert Jahren, ihre Aufgabe ist es der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten und Missstände sichtbar zu machen.
00:00:46: Doch welche Rolle spielt Satire in einer polarisierten Gesellschaft?
00:00:50: Verschärft sie Fronten oder hilft sie diese überhaupt erst sichtbaar zu machen?
00:00:55: Und führt eine Kunstgattung die provoziert unvermeintlich alles darf am Ende zu mehr Zusammenhalt- oder Spaltung?
00:01:02: Darüber spreche ich heute mit Ella Carina Werner.
00:01:04: Sie isst Autorin hat die literarische Gattung der feministischen Tiergedichte erfunden.
00:01:12: Sie schreibt Texte, die präzise, unbequem und klar positioniert sind – es geht um Machtverhältnisse, Rollenbilder- und Alltagsabsurditäten!
00:01:21: Und ich mache jetzt ein Kompliment, das ihr mit Sicherheit richtig gut gefallen wird.
00:01:25: Ella Carina Werner eine Frau mit schillerndem Charakterspektrum und Grübelphalten, die aussehen als ob sie alles von Elfriede Jaline gelesen hat.
00:01:33: Liebe Ella, schönen, dass du da bist.
00:01:35: Hallo, freut mich.
00:01:36: Danke fürs Komplament.
00:01:38: den Zuhörenden, wie ich auf dieses schöne Kompliment gekommen bin.
00:01:41: Ja das stimmt aus dem Text von mir der auch tatsächlich auf wahren Begebenheiten beruht.
00:01:45: man weiß ja als Frau oft nicht wenn irgendein fremder Typ sagt so hey du süße oder ey siehst so gut aus dann wusste ich früher nicht wie ich drauf reagieren soll da immer weggeguckt und inzwischen pariere ich Komplimente.
00:01:56: also wenn jemand sagt so Hey Du bist Süß dann versuche ich dass zu top nähen die du siehst süß aus weil deine Augen usw.
00:02:01: Und in diesem Text geht es aber auch darum dass sich Komplmente ja grundsätzlich auch schön finden kann wenn die mich treffen mich aussagen und da wäre eben dieses von dir genannte Kompliment als Leserate gerade richtig.
00:02:15: Wir sprechen später noch über dieses wichtige Mittel des Rollentaus, du bedienst dich sehr gerne bei diesem Stilmittel aber vorher würde ich gerne einmal von dir wissen was ist denn eigentlich gute Satire für dich?
00:02:25: Huch, das ist natürlich eine weite Frage.
00:02:28: Gute Satire auf jeden Fall.
00:02:29: Satire die irgendeine Art von Missständen freilegt zeigt, die aber auch unterhält also die gleichzeitig ja irgendwie sehr auf sehr direkte Weise gesellschaftliche Problematiken freileght und dass auf sehr originelle und lustige Weise.
00:02:44: Und
00:02:44: war das schon immer dein Verständnis von Satire oder hat sich da im Laufe der Jahre etwas verändert?
00:02:50: Nee, würde ich sagen das ist schon... Ich bin ja spät oder relativ spät in die Satire eingestiegen so mit der Ende zwanzig.
00:02:57: Obwohl ich es eigentlich schon als Kind praktiziert habe.
00:02:58: aber ich wusste nicht dass es Satire ist.
00:03:00: und ich würd' sagen in diesem Grundverständnis hat sich nichts geändert da.
00:03:03: Ich hab's
00:03:04: auch eben schon verraten.
00:03:04: du hast mir den feministischen Tiergedichten eine ganz neue literarische Gattung erfunden.
00:03:10: man findet darin komische Gedichte über Themen wie zum Beispiel Kehrarbeit Altersarmut Kinderlosigkeit Oder Mansplaining einer meiner Lieblingssätze Die auch wirklich bei mir zu Hause jetzt regelmäßig angemessen gewendet werden.
00:03:20: Der Hahn erläutert unentwegt der Henne, wie man Eier
00:03:23: legt.".
00:03:24: Wie bist du auf die Idee gekommen?
00:03:26: Ich liebe komische Lyrik!
00:03:27: Ich habe das als kindjugendliche absolut praktiziert.
00:03:30: Komische Reimgedichte den ganzen Tag geschrieben dann lange pausiert und jetzt eben vor wenigen Jahren wieder angefangen.
00:03:35: und ich dachte euch schreib jetzt nicht hier und da ein Gedicht sondern ich besand mich auf die Tradition des komischen Tiergedichts.
00:03:42: es gibt sehr viele lustige Tiergedichte also wo Tiere eben die Helden sind von Heinrich Heine Ringelnaz Heinz R Robert Garnhardt.
00:03:50: Und dann schaute ich die Min noch mal genau an und stellte fest, dass sie Protagonisten, die Helden fast alle Männchen sind – das ist der Kragenbär, der mastubiert die ganze Zeit
00:03:58: usw.,
00:03:58: Weibchen kommen oft gar nicht vor oder nur so als amoröse Objekte.
00:04:02: Und da dachte ich so nö!
00:04:03: Ich habe jetzt Bock, nur Weibche als Helden zu haben oder als Heldinnen ihre eigenen Themen mitbringen, die einfach ganz viel machen, worauf alle Lust haben.
00:04:12: So saufen, vögeln, rumschillen, gar nichts machen aber eben auch ganz viele weibliche spezifisch weibliche Problematik-Themen mitbringen.
00:04:21: und dann kommt man natürlich sehr schnell auf das Nervthema Men's Blaning oder auf Altersarmut, auf Menstruieren, auf Probleme mit den Wechseljahren etc.
00:04:29: Zum
00:04:30: Erpel sagt die Ente?
00:04:31: Ich kriege keine Rente.
00:04:32: Mag
00:04:32: ich auch sehr!
00:04:33: Sagt er im Plauderton?
00:04:34: Ich schon.
00:04:36: Welche Reaktionen bekommst du denn auf deine Texte?
00:04:38: Hast Du das Gefühl dass du Polarisierst damit?
00:04:41: Also
00:04:41: sehr unterschiedlich.
00:04:42: welche Texte, auch ob ich die zum Beispiel in Titanic mache oder nicht.
00:04:45: Welches Medium das ist... Ich bin niemanden der so ganz doll gehätet wird, der so ganze doll Shitstorms abkriegt weil ich auch nicht so ganz breit in einer Fernsehöffentlichkeit zum Beispiel stehe.
00:04:54: also ich weiß es gerade von vielen weiblichen Kolleginnen wie Sarah Rosetti
00:04:58: z.B.,
00:04:58: die das einfach permanent abkregen.
00:05:00: Ach!
00:05:00: Das ist ja unterschiedlich.
00:05:01: Also bei den Tiergedichten hatte ich schon zum Beispiel auch patzige Reaktionen von Männern, die sich da angegriffen fühlten.
00:05:07: Ganz viel aber auch die, die das dann weiter gedichtet haben.
00:05:10: So hier sind meine vierzig Gedichte sehr unterschiedlich, ich finde immer interessant diese Rückmeldung die immer so vordergründig ein Kompliment sind aber hinterrückst oft doch noch mal so bisschen eine reinhauen, dieses so ja sehr klassiker.
00:05:22: so finde Frau bist du echt lustig?
00:05:24: Aber das gibt es auch so mutig dass du dich als frau das traust.
00:05:27: oder der Text war super aber ich gebe dir noch ein paar Tipps wie du ihn noch besser machen kannst.
00:05:31: sowas finde ich immer sehr interessant.
00:05:32: aber ich bin niemand der so ganz Ja, so Shitstorms regelmäßig abgrägt.
00:05:38: Du interagierst
00:05:38: ja auch ganz stark mit deinem Publikum wenn du zum Beispiel eine Lesung hast oder?
00:05:42: Und vorderst aktiv Feedback ein... Hast du das Gefühl, da gab es auch schon mal Aha-Momente?
00:05:47: Zum Beispiel bei einer älteren Dame oder so könnte ich mir vorstellen.
00:05:50: Weil da sind ja Themen die vielleicht in ihrem Leben ganz selbstverständlich waren... ...dass sie immer ganz selbstständig sich um die Kehrarbeit gekümmert hat und so weiter.
00:05:57: Und jetzt auf einmal denkt Moment mal.. Ich kann doch einfach mal chillen!
00:06:00: Ich habe nämlich drei Kinder rausgedrückt.
00:06:04: Ja, also gerade diese Tee-Gedichte kommen wirklich sehr gut an.
00:06:07: Auch gerade Frauen mit Fünfzig Plus an.
00:06:09: Das hat etwas sehr Erleichternes drüber zu lachen Gibt manchmal auch die Gegenreaktionen, also wenn ich Texte habe wo ich mich sehr mit den Wechseljahren beschäftige gibt es auch manchmal Abwehrreaktion von älteren Frauen so dieses.
00:06:21: wir haben das vorher auch durchgestanden.
00:06:23: Wieso macht ihr das jetzt zum Thema?
00:06:24: Manchmal ist das ja dann auch vielleicht Schmerzer für man denkt so okay.
00:06:28: Also wenn man das jetzt dann ein bisschen verdrängt, ach hätt ich mich damit auch mal auseinandergesetzt oder mir zum Beispiel auch einen Vollzeitjob gesucht womit ich meine Kinder ernähren konnte und so.
00:06:36: Das ist auch so unterschiedlich.
00:06:37: Neulich hatte ich sozusagen sagen wir mal in Anführungsstrichen CDU kritischen Text.
00:06:40: also sehr spielerisch finde ich und da hat aber auch eine Frau der ältere Frau in Bad Oldesloh angefangen mich anzupöbeln warum ich hier die CDU angreife.
00:06:49: oft sehr belebend, aber man muss natürlich auch irgendwie damit umgehen dass die Veranstaltung nicht eskaliert.
00:06:53: Man muss das irgendwie wieder so ein bisschen runterfahren.
00:06:56: Du hast
00:06:57: ja im Bereich ausgesucht wo man jetzt nicht nur Bestätigung begraubt muss man dazu
00:07:00: sein.
00:07:01: und sag
00:07:02: mal wir sprechen hier in diesem Podcast sehr viel über das Thema Polarisierung.
00:07:05: Wir leben in einer polarisierten Gesellschaft.
00:07:06: uns soll vor allem darum gehen wie man dem begegnen kann.
00:07:09: und hast du das Gefühl wenn wir jetzt über die Rezipienten deine Arbeit sprechen oder grundsätzlich Rezipien von Satire schneller missverstanden oder vielleicht auch absichtlich fehl gelesen wird und einfach viel stärker zur Empörung führt als es früher der Fall war.
00:07:26: Und vielleicht auch so das Thema Verantwortung beim Publikum, wie viele Verantwortung siehst du beim Pubrikum?
00:07:31: Das Ganze vernünftig einzuordnen!
00:07:33: Was schnell falsch verstanden wird sind natürlich gerade kurze Sachen, die ohne Kontext auskommen.
00:07:38: Gerade so was auf Social Media funktioniert ne?
00:07:39: So Memes, ganz kurze Ausschnitte auch.
00:07:41: Oft gibt's so lange Cabaret-Programme, die unglaublich differenziert mit dem Thema umgehen und dann gibt es diesen einen Schnipsel von zwanzig Sekunden der dann viral geht auf Instagram oder auf TikTok Und dann ist der Zusammenhang nicht mehr klar.
00:07:53: und dann ruft er schnell Empörung hervor.
00:07:55: Ja gute Frage!
00:07:56: Also ich finde grad große Late Night Sendungen oder auch deutsche Satire Sendung sind oft eigentlich eher, dass sie die polarisierten Fronten so ein bisschen wieder runterfahren.
00:08:06: Dinge spielerisch behandeln, die eigentlich jetzt gar nicht so sehr für Empörung sorgen müssten, sorgen könnten.
00:08:12: Das ist glaube ich auch einfach sehr unterschiedlich ob es zum Beispiel in Deutschland oder in den USA ist wo ja teilweise Satirika da kurz vom Berufsverbot stand oder stehen.
00:08:21: Soweit sind wir hier zu Glück noch nicht?
00:08:22: Nee das sind wir nicht!
00:08:24: Und die Verantwortung des Publikums war also der zweite Teil der Frage.
00:08:27: Also wie viel kann man dem Publikum zumuten zu verstehen, einzuordnen.
00:08:33: Zu entschlüsseln was in der Satire enthalten ist?
00:08:36: Ja ich finde das auch von Medien zu Medien unterschiedlich.
00:08:38: Ich finde die heute Show zum Beispiel für dich ein gutes Beispiel dafür dass es glaube ich sehr niedrigschwellig ist Dass da jeder reinkommt, dass da politische Themen einfach sehr lustig nochmal dargestellt werden und sehr klar Grenze oder immer markiert wird.
00:08:51: Was ist jetzt Ironie?
00:08:52: Was is ernst?
00:08:53: Ich glaub da kommt man zum Beispiel sehr gut rein Ist ja auch öffentlich-rechtlicher Fernsehen.
00:08:56: Bei Titanic haben wir da so würde ich sagen nicht ganz diese Heere gesellschaftliche Aufgabe, das immer alles so klar zu machen.
00:09:03: Das Titanic funktioniert einfach viel anarchischer.
00:09:05: Da bleibt auch vieles mal ein bisschen mehr in der Schwebe und das finde ich darf es auch.
00:09:09: Das finde ich wichtig dass es diese Art von satire Medien gibt.
00:09:13: Und jetzt hast du ja quasi schon angesprochen die unterschiedlichen Zielgruppen?
00:09:16: Die ist bei der Titanic bei euch wesentlich spitzer fast schon elitär könnte man sagen politisch sehr interessiert.
00:09:22: Social Media ist auch gerade schon angesprochen.
00:09:23: würde es zu sagen, dass Social media eine Möglichkeit ist neue Zugänge zu schaffen vielleicht auch für ein jüngeres Publikum?
00:09:30: Ja, ganz klar.
00:09:31: Also wir bei Titanic sind eigentlich ein klassisches Printmagazin haben uns relativ spät ins Internet begeben machen da jetzt aber auch sehr viel im Bereich kurzer Sachen, kurzer Videos und Memes.
00:09:40: ich sehe es bei meinen jugendlichen Kindern wieviel also wieviele die jetzt eher nicht so klassische Satire-Medien aber wieviele die an so kurzen Sachen kurz in Stand Up auftritten usw.
00:09:49: konsumieren und sich da ihre Infos auch holen.
00:09:51: und klar wenn man die Jungen erreichen will dann muss man auf diesen ganzen Plattform aktiv sein Und nicht
00:09:55: nur das jüngere Publikums sondern vielleicht auch Künstlerinnen und Künstlern selbst, weil ich das Gefühl habe da ist eine Junge und vor allem auch sehr diverse Gruppe unterwegs die dadurch auch ne eigene Bühne bekommt.
00:10:06: Oh ja.
00:10:07: Die vielleicht viel leicht dazugänglich ist als die klassische Bühnen.
00:10:10: Das
00:10:10: stimmt also das finde ich einen der ganz großen Neuerungen und ganz hoffnungsvollen Entwicklungen der Satire oder der Komik allgemein dass sie so stark divers geworden ist gerade in den letzten zehn Jahren.
00:10:19: Dass da unglaublich viele weibliche Nichtbinäre auch mit ganz wie migrantischen Stimmen dazu kommen und immer ganz neue Perspektiven aufzeigen und klar ganz viele von den Leuten, die da sich einen großen Namen gemacht hat.
00:10:30: Die gäbe es nicht wenn es immer nur die gleichen fünf bis sechs klassischen Satiremedien gäbe.
00:10:35: Also gerade zum Beispiel im deutschen Stand-up sind für mich die großen Namen fast alle mit Migrationshintergrund.
00:10:40: Phyllis Tastan oder Kavus Calanta
00:10:42: z.B.,
00:10:43: und ja sie bringen irgendwie neue Sichtweise mit.
00:10:45: Ja haben sich teilweise als Underdogs in Mehrheitsgesellschaften durchkämpfen müssen bringt er eben neuen Blick drauf und das macht das Ganze sehr überraschend und sehr frisch
00:10:54: Und müssen vor allem nicht mehr nur über diese Klischebeladen-Migratheben sprechen, das finde ich ganz cool.
00:11:00: Ja, ich find' dass es auch ähnlich bei den ersten Frauen im Bereich Komik und auch bei den Ersten Migranten.
00:11:05: Dass man sich klar am Anfang war so sehr oh du bist immer die Frau, du bist der Ausländer dann... haben die einfach sehr stark das immer zum Thema gemacht, aber jedem selbstverständlicher das wird oder normalisierter.
00:11:16: Weil es eben viele in einem Feld gibt, die Frauen sind oder Migranten, der zu mehr wird dann so über alles gewitzelt.
00:11:21: Man hat natürlich immer die Perspektive, weil man bringt immer seine eigene Biografie mit und das ist ja auch toll, dass man seine eigene Haltung seiner Lebenserfahrung mit reinbringt in das was man an Comic produziert, aber dass man jetzt inzwischen die Möglichkeit hat über alles Scherze zu machen.
00:11:35: Ja, das ist das gute an Social Media.
00:11:36: gleichzeitig hast du eben auch schon den sehr wichtigen Kontext erwähnt, der da teilweise manchmal verloren geht.
00:11:41: Weil es eben nur Schnipsel sind und du arbeitest ja selbst sehr gerne mit Perspektivverschiebung.
00:11:47: Du tauschst die Rollen und löst dadurch krasse Aharmomente aus.
00:11:50: Was passiert denn mit Satire wenn dieser Kontext wirklich verloren geht?
00:11:54: Also welche Risiken siehst du da vor allem für die Autorinnen und Autoren zum Beispiel aber auch fürs Publikum.
00:11:59: also aus ästhetischer Sicht finde ich auch einfach erst mal schade dass gewisse Kunstformen gewisse satirische längere Kunst form dadurch so ein bisschen in den Hintergrund geraten.
00:12:06: also sehr traditionelles Die Fake-Reportage, eine fiktive Reportage, die so parodiert wie eine alte Spiegel oder Sternreportage ist.
00:12:16: finde ich eigene Kunstform, die finden im Internet kaum statt.
00:12:19: Weil sie haben dann auch ihre Fünftausend Zeichen und sind einfach nicht ganz schnell konsumierbar.
00:12:23: Und klar kann man eher in längeren Sachen viel mehr Amivalenzen verschiedene Sichtweisen reinbringen oder dass man zum Beispiel erst mal eine Erwartungshaltung aufbaut, die dann aber wieder unterläuft und dann vielleicht noch einmal unterläuft.
00:12:35: Das ist natürlich alles im Internet leider sehr unterkomplex und sehr schnell auf eine Sache.
00:12:42: Lass uns mal über das Thema Verantwortung und Grenzen sprechen bei Satire, was ja auch immer gerne besprochen wird.
00:12:48: Die Titanic ist für ihre sehr provokanten Cover bekannt und in der Vergangenheit gab es auch mal rassistische oder sexistische Cover.
00:12:55: Was wird denn heute nicht mehr gedruckt?
00:12:58: Jetzt speziell bei Titanic meinst du?
00:13:00: Also ich erinnere mich an die Debatte, die auch erst tatsächlich zehn Jahre her ist.
00:13:05: Das N-Wort zum Beispiel nicht mehr zu benutzen hatten wir auf dem Cover würden wir definitiv natürlich nicht mehr machen.
00:13:10: Auch gewisse sexistische Cover es gab zb mal eins über ja ein Cover was letztlich Vergewaltigungen verharmlost hat oder auch mal eins das da hier ist glaube ich irgendwie Stasi Flittchen so und so.
00:13:20: Ich weiß gar nicht mehr wer das war eine Politikerin unter drauf war so nackter völlig schutzloser Frauenkörper.
00:13:26: das sind so Sachen die würden wir ganz klar nicht bemachen.
00:13:29: in ihrer damaligen Zeit waren die aber okay, würde ich sagen.
00:13:32: Also da würde ich gar nicht um Nachhinein sagen, oh Gott warum haben wir das vor zwanzig Jahren gemacht?
00:13:37: Sondern im Rahmen dessen... war das noch in Ordnung und jetzt halt nicht mehr.
00:13:41: Und gibt es auch noch intern starke Diskussionen bei bestimmten Themen und Covern.
00:13:46: oder seid ihr da euch relativ klar, wo die Grenze ist?
00:13:50: Da sind wir uns eigentlich ziemlich klar.
00:13:52: Man hat ja doch letztlich eine gemeinsame Haltung, gemeinsamen Werte, Kanon jede Generation für sich und da gibt's schon Diskussion.
00:14:00: Ist das jetzt lustig oder nicht?
00:14:02: aber eigentlich fast nie kann man das machen, ist das noch?
00:14:05: Wir können nicht über Satire sprechen ohne Tuchholzki zu erwähnen.
00:14:09: Der gesagt hat, was darf Satire alles?
00:14:11: Wo siehst du denn die Grenzen von Satire?
00:14:13: also wo läuft für dich die rote Linie?
00:14:16: Also wir haben ein kleines Vorgespräch gehabt dass du auch selber gesagt wir treten nicht nach unten grundsätzlich.
00:14:21: Vielleicht kannst du einmal beschreiben wofür dich die Linie verläuft.
00:14:24: Ich weiß gar nicht ob ich das so klar sagen kann aber ich finde es wichtig ist eigentlich dass Satire nicht langweilen darf.
00:14:30: und wenn man davon ausgeht dann also wenn's immer originell und immer frisch sein und nicht Klischees ständig reproduzieren, dann verbittet sich einfach ganz viel von selber ohne dass man eigentlich da moralisch rangeht.
00:14:41: Also dann ist auch so was wie irgendwie zum hundertsten mal über das Gendersternchen-Witzeln erübrigt sich, falls langweilig es ist.
00:14:48: also ich finde diesen alten Dick dieses alte Diktum von Marat Schmidt macht keine Witze über Leute die weniger als zehn tausend Euro im Monat verdienen eine ganz gute Richtlinie.
00:15:00: Ist es ja tatsächlich zu billig?
00:15:01: Zu langweillig sich über Leute lustig zu machen Bildungsfernsehen und Kevin oder Mandy heißen.
00:15:07: Also warum?
00:15:07: Das ist einfach erstmal langweilig, und im zweiten Schritt ist es ja vielleicht auch unfair.
00:15:12: aber tatsächlich ist das erst mal gar nicht mein erster Blick drauf sondern sozusagen werfe ich dann einen neuen Blick auf etwas drauf oder nicht.
00:15:20: Er übrigt sich dann fast die Frage, was ich nicht darf von selber.
00:15:24: Ich sitze nie da oder auch mit Titanic eigentlich nicht und denke so, dürfen wir das jetzt?
00:15:28: Oder nicht?
00:15:29: Spannend weil eigentlich klingt es ja als erst mal wenn du sagst, es soll unterhalten, es sollen nicht nach unten treten, das soll keine Klischees reproduzieren.
00:15:35: Klingt jetzt erstmal sehr allgemein aber trotzdem scheinst du ja total klar zu sein in dem wo du sagest, dass ist für mich Satire und das is für mich nicht mehr drin.
00:15:45: Da überschreite ich eine rote Linie
00:15:47: Ja, aber meist eben im Sinne von.
00:15:48: das ist mir zu billig.
00:15:49: Das mit so simpel
00:15:50: und würdest du sagen satire kann auch festgefahrene positionen lösen und irgendwie so ein miteinander fördern.
00:15:57: oder bewegt ihr euch eigentlich alle nur in eurer bubble die euch sowieso zustimmt wo man so eine art bestätigung erfährt und die die außerhalb dieser bubble sind?
00:16:06: da findet gar nicht so viel Austausch statt.
00:16:08: Ja, das ist natürlich ein grundsätzliches Problem, dass es immer schwer ist aus der eigenen Bubble rauszukommen.
00:16:13: Ich finde ein ganz gutes Beispiel.
00:16:14: ich habe mal einen Text geschrieben darüber, dass Männer über vierzig so unattraktiv sind weil halt so am Verwälken verblühen einfach nicht mehr attraktiv.
00:16:21: und dann hab' ich auch ein Video daraus gemacht was tatsächlich viral ging und habe sehr sehr viele wütende Reaktionen von Männern bekommen.
00:16:27: In
00:16:27: dem Video hast du den Text vorgetragen?
00:16:29: ja genau also Ausschnitte daraus.
00:16:31: sehr sehr vielen wütenden Reaktionen von Männernen bekommen.
00:16:35: aggressiv so unfair ist, dass ich so beschimpfe.
00:16:37: In diesem Text waren aber eigentlich nur Zitate wie klassischerweise Männer über Frauen über vierzig sprechen und da waren doch auch relativ viele die das verstanden haben.
00:16:46: Die gesagten achso du machst es einfach nur als Umkehrung der Verhältnisse.
00:16:50: also ich finde mit sowas kann man manchmal eine ganze Menge an neuen AHA-Erlebnissen auslösen.
00:16:58: Aber natürlich ist es ein generelles Problem, dass man weitgehend Egal wie klein oder groß, die ist natürlich möglichst groß.
00:17:04: Doch ein bisschen in seiner Bubble bleibt.
00:17:06: aber auch innerhalb der können ja zum Beispiel zwischen Männern und Frauen zwischen Migranten und nicht-Migranten usw.
00:17:11: Ja auch immer wieder neue Erkenntnisse, neue Haarmomente entstehen indem man eben zum Beispiel Perspektiven umdreht oder Sachen so verdreht dass sie nochmal einen neuen Erkenntnis Moment beim Gegenüber auslösen.
00:17:23: Und
00:17:23: diese wütenden Männer die auf dich zugekommen sind in Form von Kommentaren.
00:17:27: wahrscheinlich nehme ich mal an bei diesem Reel bist du dann da ins Gespräch gegangen?
00:17:30: Oder wie hast Du das gelöst?
00:17:31: Also weil dann würde es ja eher die Frage beantworten, dass es schon möglich ist Impulse und Anstöße zu geben.
00:17:37: Und auch ins Gespräch zu kommen und den Dialog irgendwie zu suchen.
00:17:40: Und dadurch doch außerhalb der eigenen Baba etwas zu erreichen?
00:17:43: Ja also
00:17:43: in dem Fall bin ich nicht ins eigene Gespräch gegangen, weil es so viele andere gab, die in meiner, die sozusagen nach mir dieses Gespräch gesucht haben.
00:17:49: das ist eigentlich immer schöner als sich selber zu verteidigen.
00:17:52: Dieses Ah!
00:17:52: Ich habe es doch so und so gemeint, mache ich manchmal schon.
00:17:54: ne aber ... Schöner ist natürlich wenn man gleich ein paar Helfer-Selfer hat, die sagen was die Autorin damit meinte.
00:18:02: Und da sind tatsächlich viele Diskussionen entstanden.
00:18:04: Das spricht
00:18:05: für deine Community?
00:18:06: Ja!
00:18:08: Was macht ihr denn trotz gesellschaftlicher Verhärtung Hoffnung, also wie ist so dein Gefühl gerade als Satirikerin?
00:18:15: Würdest du überhaupt sagen, eine Gesellschaft ist polarisiert und verhärtet oder empfindest du das gar nicht so?
00:18:19: Verhärtet weiß ich ja, dass wir uns zunehmend polarisieren, dass die Fronten verhärter Das sehe ich einerseits schon, mir macht Hoffnung eben diese mehr und mehr Vielfalt an Stimmen die laut werden.
00:18:31: Gar nicht so sehr nur Satire das kann auch journalistischen Diskurs sein.
00:18:36: je mehr Leute sprechen dürfen ist so interessanter und vielfältiger wird es.
00:18:40: das finde ich schon mal sehr hoffnungsvoll.
00:18:41: auch etwas wo ich sagen würde dass hat genauso positives Gewicht wie es negativ ist Gewicht hat dass wir uns so verhärten.
00:18:48: Also das ist auf so einer Waage, würde ich sagen, hält sich das gerade die Waage?
00:18:51: Was mir mit am meisten Sorgen macht, ist zumindest in meiner Linken großen Community eine zunehmende Resignation.
00:19:01: und das macht mir Sorgen weil ich denke wenn alle nicht mehr irgendwie glauben, dass es besser wird oder irgendwie sehen auch was jetzt gut funktioniert.
00:19:10: Dann lohnt sich das ja alles gar nicht mehr.
00:19:12: Da hoffe ich, dass sie sich noch nicht verstärkt hat.
00:19:14: Und nimmst du diese Resignation auch bei dir selbst?
00:19:17: Und kennst du dann dagegen an wenn du sie spürst?
00:19:21: Ja, was das kämpfen.
00:19:22: Ich mir gefällt es schon sehr Leute zu unterhalten.
00:19:25: Mir macht das zum Beispiel großen Spaß mich über Leute aus meiner eigenen Gesellschaftsgruppe ich sage mal jetzt so linkes bürgertum lustig zu machen auch selber mich selber und freue mich auch wenn die leute dann mitlachen vielleicht dass ihr dann auch wieder bei sich selber lachen.
00:19:38: das ist ja oft eben ein erkenntnis.
00:19:39: moment also aha ich bin ja auch lächerlich in meiner leichter bissel.
00:19:43: ja so dieses ding ich bin miladenkäuferin lastenradfahrerin und lasse daneben nichts zu.
00:19:51: Das ist ja auch schade, aber wenn man sich zum Beispiel darüber wieder viel lustig macht so selbstironisch und die anderen darüber mitlachen können dann ist das ja auch wieder so ein Aufbrechen der eigenen Strenge des eigenen starren Blickwinkels.
00:20:05: Ja ich glaube an Themenmangel das vermutlich nicht egal in welcher Bubbleman guckt oder?
00:20:09: Weil es gibt ja oft diesen Satz über was darf man sich denn heutzutage eigentlich noch lustig machen?
00:20:13: den würdest du wahrscheinlich nicht unterschreiben.
00:20:14: Nee
00:20:15: ich finde dass auch kommt total aus einer weiß ich nicht so einer rechtskonservativen Ecke.
00:20:19: eben wenn wir bei Titanic sitzen oder wenn ich auch alleine sitze, frag' ich mich nie worüber kann ich mich noch lustig machen?
00:20:24: Weil ich kann mich erstmal über alles lustigmachen und muss dann eventuell mit den Konsequenzen leben.
00:20:28: Und klar es gibt so ein paar Sachen.
00:20:30: gerade sagen wir in dem Sprachlichen also zum Beispiel... Es gibt wenige Begriffe, wenn man zb einen behinderten Menschen beschreiben will wenige Begriffe, die erstmal so sozial sensibel sind glaube ich.
00:20:42: Da muss man schon dann auch mal überlegen wie kann man das jetzt noch beschreiben?
00:20:44: Aber das ist finde ich eher eine Herausforderung kannst du ja letztlich auch im Internet nachschauen.
00:20:49: was ist da so der aktuelle Begriff den man verwenden kann?
00:20:51: klar muss man da wie Sprachsensibil sein.
00:20:53: aber an Themen kannst du erst einmal machen was du willst und
00:20:56: Wie können wir denn eigentlich Gesellschaft besser machen?
00:20:59: Was wäre deine Antwort darauf?
00:21:03: Wir sind ja eigentlich destruktiv.
00:21:05: Wir lieben es, Sachen erst mal auseinanderzunehmen und ich habe keine Lösungen und auch nicht meinen Anspruch in eine Lösung zu haben.
00:21:10: aber ich finde das immer ganz toll sich in andere Reihen zu denken.
00:21:13: also wenn wir einfach versuchen das gegenüber uns zu fragen was empfindet die Person was denkt die?
00:21:18: warum denkt sie dass auch mit ihr ins Gespräch kommen?
00:21:22: Ganz viel mache, ganz viel mit Fremden.
00:21:23: Es finde ich wahnsinnig faszinierend.
00:21:24: gerade wenn die Perspektiven, wenn sie Sichtweisen völlig aufeinanderprallen wird es ja gerade interessant.
00:21:29: also werden wir uns wirklich für unser Gegenüber interessieren ist schon glaube ich ganz viel gewonnen.
00:21:33: und was wir daraus machen ob komik oder auch nicht ist dann vielleicht zweitrangig.
00:21:37: aber
00:21:37: das finde ich so spannend dass du sagst eigentlich bin ich ja destruktiv unterwegs weil das empfinde ich gar nicht so.
00:21:42: gerade weil du überall immer diesen Rollentausch machst in deinen Texten sei es jetzt zwischen Männern und Frauen zwischen Arm und Reich beispielsweise
00:21:50: sorg
00:21:51: Bist du ja dafür, dass man überhaupt erst in der Lage ist die andere Seite zu verstehen?
00:21:55: Und das ist für mich das Gegenteil von destruktiv.
00:21:57: Ich finde das enorm konstruktiv ehrlicherweise weil du das so exemplarisch aufzeigst was da schiefläuft.
00:22:04: Ja also innerhalb des Atierefelds bestimmt auch zu denen sagen wir zu den fröhlichsten und hoffnungsvollsten und auch menschenfreundlichsten Wesen.
00:22:12: Also schon fast ein bisschen überraschend warum ich da gelandet bin.
00:22:14: aber es ist einfach nur so Grund spaß zu gucken.
00:22:16: okay war's alles seltsam was läuft Falsch, was ist lächerlich?
00:22:20: Eigentlich ist alles lächerlig.
00:22:22: Also das wir schon als Homo sapiens also einfach als Menschenarfen und als Tiere die ganze Zeit so tun, als ob wir keine Tiere wären sondern irgendwas Bedeutsames Ob Mensch irgendetwas Bedeutsames ist ist grundsätzlich lächerliche.
00:22:32: Das macht mich schon Freude.
00:22:33: und ja also Ja stimmt wahrscheinlich bin ich dann doch manchmal auch konstruktiv.
00:22:38: Ja also am Ende doch vielleicht eher Zusammenheit fördernd als das Gegenteil.
00:22:42: Ja es sind glaube ich vielleicht eher so die Mittel des der Dekonstruktionen dass erst auseinander nehmen.
00:22:47: damit ist das nicht direkt mein Ziel.
00:22:49: Aber wenn am Schluss sich die Dinge wieder zusammensetzen, Menschen sich verbinden auch vielleicht über's Lachen verbinden dann ist es natürlich was Schönes.
00:22:56: Ja
00:22:56: es gibt nichts Schöneres als über Humor zu verbinden.
00:22:59: Vielen vielen Dank für deine Zeit heute!
00:23:01: Liebe Ella hat sehr viel Spaß gemacht.
00:23:02: Ich danke auch.
00:23:21: Wenn euch dieser Podcast gefällt, dann abonniert ihn gerne und lasst eine Bewertung da.