Gesellschaft besser machen

Gesellschaft besser machen

Transkript

Zurück zur Episode

00:00:00: Die Omas gegen rechts gehen natürlich viele gegen den Strich, weil wir den Finger auf eine brennende Wunde legen.

00:00:06: Und diese Wunde heißt Achtung vor dem

00:00:09: Rechtsextremismus.".

00:00:13: Wie können wir Polarisierung begegnen und Europa stärken?

00:00:17: Hi!

00:00:17: Ich bin Muster Scherzader – und das ist Gesellschaft Bessermachen ein Podcast der Körberstiftung.

00:00:22: Hier spreche ich alle zwei Wochen mit verschiedenen Menschen die genau diese Fragen bewegen.

00:00:31: Politisches Engagement wird in der öffentlichen Wahrnehmung, in erster Linie oft mit jungen Menschen assoziiert.

00:00:37: Mit Studierenden, Schülerbewegungen wie Fridays for Future oder aktivistischen Content creators auf Social Media – doch eigentlich kennt gesellschaftlicher Einsatz kein Alter!

00:00:48: Und irgendwie ist das ja naheliegend dass auch diejenigen mit der größten Lebenserfahrung wissen wofür es sich lohnt, die eigene Stimme zu erheben.

00:00:55: Meine heutige Gesprächspartnerin weiß genau wovon ich spreche.

00:00:58: Monika Salzer Therapeutin, Theologin und Autorin.

00:01:03: Bekannt wurde sie vor allem als Gründerin der zivilgesellschaftlichen Initiative Omas gegen Rechts.

00:01:08: Was in den Jahren des Jahrhunderts war, als kleine lokale Facebook-Gruppe begann, entwickelte sich schnell zu einer europaweiten Bewegung.

00:01:15: rund vierzigtausend ältere Frauen – und inzwischen auch Männer engagieren sich gegen Rechtsextremismus für demokratische Werte.

00:01:22: Welchen Impact die Bewegungen heute hat und wie zivil gesellschaftliches Engagement dazu beitragen kann, Polarisierung zu begegnen?

00:01:30: wir heute ganz herzlich willkommen Monika Salzer.

00:01:33: Vielen Dank!

00:01:34: Was waren denn damals eigentlich Ihre persönlichen Beweggründe, Omas gegen Recht zu gründen?

00:01:40: Gab es ein konkretes Ereignis wo Sie gedacht haben jetzt reicht's.

00:01:43: Jetzt mache ich diese Facebook-Gruppe mal auf und schau was passiert.

00:01:46: Ja das war die vergangene Wahl Die Nationalerzwahl Und die Tatsache dass eine rechtsextreme Partei in die Regierung kommen wird nämlich der FPÖ.

00:01:56: In dem Moment habe ich mir gedacht Ich kann es nicht mehr ertragen.

00:02:00: Ich hab schon einmal die FPÖ in der Regierung gelebt sozusagen nach dem Zweiten Weltkrieg in der jetzigen Republik und das war ein Disaster.

00:02:10: Und meine Vorfahrer waren sehr dapfere und kampfbereite Frauen.

00:02:17: Ich habe mir gedacht, die haben sich in den Dreißiger Jahren viel mehr getraut als wir uns heute.

00:02:22: Das war damals gefährlich in einer sozialistischen Partei zum Beispiel mitgezusehen bei einem zuständigen Staat.

00:02:29: Die haben sich dann im Daubentüchter voreingetroffen damit das nicht auffliegt, dass sie konspirieren.

00:02:36: Dann ist mir das Logan eingefallen alt sein.

00:02:40: als ältere Menschen können wir noch sehr viel bewegen und unsere Stimme erheben.

00:02:46: Wir haben Zeit, wir haben Lebenserfahrung, wir sind Beziehungen zu jungen Menschen für die wir auch auf die Straße gehen.

00:02:54: Es geht nicht um uns!

00:02:55: Und dann war aber auch sofort klar, ich mache das jetzt über Facebook?

00:02:58: Ja.

00:02:59: Dann habe ich mir gedacht eine Gruppe in Facebook zu installieren mit dem Foto meiner Urgroßmutter die eine kampfbereite Hebamme war und das ist ja ganz einfach und das hab' ich auch gemacht!

00:03:12: Man muss ja auch sagen dass die Figur der politischen Oma eigentlich kaum Teil des gesellschaftlichen Selbstbildes war.

00:03:19: Erinnern Sie sich noch an die ersten Reaktionen nachdem sie die Facebook-Gruppe gegründet haben vielleicht auch so im persönlichen Umfeld?

00:03:25: Ja, es hat sofort gezündet.

00:03:28: Also ich habe auch Lob in meiner Familie bekommen.

00:03:31: Die Kinder haben begonnen, unser erstes Lied zu singen und haben das sehr schön gefunden.

00:03:38: Um aus um aus.

00:03:38: uns braucht das ganze Land!

00:03:40: Wir kämpfen für die Kinder und machen Widerstand.

00:03:43: War das der Text?

00:03:44: Und das haben sie dann sehr gern gesungen.

00:03:46: wir kämpfen Für die Kinder.

00:03:48: Das ist es auch.

00:03:49: Wir kämpfen nicht für uns.

00:03:51: Es geht nicht um uns sondern wir haben den Überblick über fünf Generationen.

00:03:56: Wir haben unsere Großeltern erlebt Wir haben unsere Eltern erlebt, wir sind selber eine Generation.

00:04:01: Wir haben Kinder und Enkelkinder.

00:04:03: Das heißt es sind fünf Generationen Und die Erfahrungen unserer Eltern Also wir sind all die meisten Nachkriegsgeborene Möchte ich niemandem gönnen.

00:04:12: Ja das war schrecklich So lange Krieg.

00:04:15: Meine Mutter hat immer gesagt meine ganze Jugend war Krieg, meine Kinder sollen keinen Krieger leben Meine Enkelkind auch nicht.

00:04:22: Jetzt haben wir leider einen Krieg wieder ganz nahe Ja,

00:04:26: stimmt.

00:04:26: Aber Sie haben ja von Anfang an gesagt uns geht's um die jungen Menschen Wir wollen auch was zurückgeben.

00:04:30: wir wollen den Jugendlichen und den Kindern Was für deren Zukunft tun.

00:04:34: gleichzeitig brechen sie aber auch mit diesem Klischee?

00:04:36: Sie haben mir selbst mal gesagt wir sind nicht die Stricken dann braven hinterm Herd Die Apfelstrudelbacken Sondern eine politische Kraft.

00:04:43: Ging es auch darum diese Klischees zu widerlegen?

00:04:46: Ja absolut!

00:04:47: Also mein Gedanke was wird sein?

00:04:49: im November demonstrieren gehen Sind alle grau und schwarz und dunkel Und dadurch haben wir diese Hauben erfunden.

00:04:58: In Wien, zumindest in Österreich gehen wir mit diesen Omashauben und Schiller und Schirme damit die Leute sehen, das sind andere.

00:05:08: Können Sie zu den Hauben noch mal einen Satz mehr sagen für alle, die es nicht wissen?

00:05:11: Ja, das ist entlehnt an ... Pussy Hats, und zwar hat in New York eine Million Frauen demonstriert gegen Trump.

00:05:22: Damals schon Trump eins weil er eine faunfeindliche Bemerkung gemacht hat und sie haben dann diese Hauben in rosa gestrickt.

00:05:30: die gehen ganz einfach zu stricken und sind damit auf die Straße gegangen als Demonstration gegen Trump Und wir haben die wieder ausgegraben mit verschiedenen Farben halt dann gefüllt.

00:05:41: Ja, und dann ist eben aus dieser anfänglich kleinen lokalen Gruppe bei Facebook relativ schnell eine wirklich große mittlerweile auch europaweite Bewegung herangewachsen.

00:05:50: Das ist eine Graswurzelbewegung.

00:05:52: Wie ist es ihnen gelungen so viele Menschen zu mobilisieren?

00:05:56: Und welche Rolle haben auch digitale Räume dabei gespielt?

00:05:59: Wir haben die Omas gegen rechts.

00:06:01: also ich habe sie im Jahr zwei tausend als siebzehn gegründet Und im November und zwei Monate später hat durch einen Zeitungsartikel Anna Ohnweiler, Gerdas Mara aus Deutschland, einem Süden, einem Norden diese Idee aufgenommen.

00:06:18: Sie haben uns versichert sie werden unsere Statuten mittragen unser Logo vor allem und sie werden sich genauso ausrichten.

00:06:26: Damit war sozusagen der Beginn dieser riesigen Protestbewegung der deutschen Omas weil in Österreich ist er viel kleiner aber in Deutschland sind das jetzt angeblich vierzeigtausend Frauen, die fast in jedem Dorf demonstrieren gehen und auf die Straße gehen.

00:06:43: Die Stimme erheben das ist ein unglaublich befreierender Akt muss man sagen ja und der macht auch gesund weil Frauen von der Gesellschaft nicht mehr so geachtet sind weil sie nie mal im gebärfähigen Alter sind kann man sagen und die nur dazu da sind eben laut Internet Apfelstrahl zu backen und Geld herzugeben dass die wieder eine politische öffentliche Kraft werden.

00:07:05: Das hat sich niemand gedacht, aber mittlerweile ist das ja in Deutschland so weit gedient, dass auch ein Herr Merz es notwendig hat, Fragen an die Zivilgesellschaft zu stellen und zu insinuieren, dass die Omas Geld

00:07:20: bekommen.".

00:07:20: Ja, das hätte ich jetzt als nächstes angesprochen.

00:07:22: Es war im Jahr zwanzig, da gab es von der CDU CSU-Fraktion einen Bundestag eine kleine Anfrage zur staatlichen Förderung von NGOs – wir haben das glaube ich alle mitbekommen!

00:07:33: Es wurden zu den Omaß gegen Rechts formuliert und der Verein wurde als besonders umstrittenes Beispiel bezeichnet.

00:07:40: Jetzt muss man dazu sagen, dass solche Anfragen ein legitimes parlamentarisches Kontrollinstrument sind.

00:07:45: aber die Anfrage war ja wirklich tatsächlich zum Teil schlecht recherchiert.

00:07:48: Die Omas gegen rechts sind nicht gemeinnützig organisiert und erhalten keine staatliche Förderung.

00:07:53: ganz viele zivilgesellschaftliche Organisationen wurden damit an den Pranger gestellt unter Generalverdacht.

00:07:59: Wie haben sie diese Debatte damals erlebt?

00:08:01: Sowohl persönlich als Monika Seilzer, auch als Gründerin?

00:08:05: Naja ich hab's analytisch erlebt.

00:08:07: Die autoritäre Regierung greift die Zivilgesellschaft als erstes an.

00:08:12: Dazu gibt es wissenschaftliche Expertisen, das heißt Aha!

00:08:16: Deutschland geht nach rechts wird autoritärer und die ersten die man angreifts ist eigentlich die zivilgesellschaft ist ein gegenüber zur regierung.

00:08:28: ja sie sind kritisch sie wollen dass was die regierung noch nicht erfüllt gerade im sozialen bereich.

00:08:34: auch gibt ganz viele zivil gesellschaft die Organisationen, wie die Caritas oder die Diakonie und andere.

00:08:41: Und die Omas gegen rechts gehen natürlich viele gegen den Strich weil wir den Finger auf eine brennende Wunde legen.

00:08:48: und diese Wunde heißt Achtung vor dem Rechtsextremismus!

00:08:52: Weil der Rechtseextremismus in Form der AfD und die FPÖ sagt immer sie wollen das System zuschlagen und das System ist die Demokratie.

00:09:02: Das heisst auch Herr Merz sollte aufpassen.

00:09:05: aber das Ziel von Herrn Merz ist es ja sicherlich nicht die Demokratie zu zerschlagen.

00:09:13: die nach rechts erschielen.

00:09:16: Sie haben ja damals auch wie heute stark und deutlich und laut Kritiker äußert an dieser Anfrage, könnte man jetzt auch überlegen ob es eine andere Strategie gegeben hätte zum Beispiel die Fragen zu beantworten damit auch die Schwächen dieser inhaltlich nicht wirklich korrekte Anfrage offenzulegen?

00:09:32: Ja sie wurden ja auch beantwortet durch verschiedene Organisationen.

00:09:37: aber das was uns bis heute nachhinkt ist diese Unterstellung wir werden bezahlt ehrenamtliche ältere Frauen, die ihr Bestes geben und ich finde ein Staat hat die Aufgabe zivilgesellschaftlichen Initiativen zu schätzen, zu würdigen und sich dafür bedanken.

00:09:54: Wir sind ja sozusagen die Männerinnen!

00:09:57: Wir wissen was sein kann und wir wollen unsere Enkelkinder in eine gute Zukunft

00:10:02: führen.".

00:10:02: Und würden Sie sagen diese Debatte hat Ihrer Bewegung in irgendeiner Form geschadet?

00:10:06: Auf der einen Seite hat sie auch genutzt weil wir haben viel mehr Mitglieder also viele sind aufgewacht Und auf der anderen Seite ist die Unterstellung, wer nehmen Geld?

00:10:15: einfach nicht lustig.

00:10:17: Dass sie es unerhört.

00:10:18: Das klingt aber eher so als hätte Ihnen das genützt wenn Sie dadurch viele neue Mitglieder gewonnen haben?

00:10:23: Schauen Sie, in der politischen Debatte nützt es nicht, wenn man etwas behauptet was nicht wahr ist.

00:10:29: also da kann ich nichts sagen.

00:10:30: das hat uns genutzt.

00:10:32: Das war ein Schlag!

00:10:33: Hat sich das Verhältnis zwischen Politik und zivilgesellschaftlichen Initiativen durch diese Debatte verändert?

00:10:39: würden Sie schon sagen?

00:10:40: mehr die Politik hat sich verändert, weil es gibt ja auch viele Initiativen für Flüchtlinge.

00:10:47: Viele Initiatifen, die aufzeigen dass in den Grenzen Europa sehr wohl Unrecht gesteht und auch nach europäischem Recht.

00:11:00: Aber haben Sie das Gefühl sie stehen jetzt stärker unter Beobachtung?

00:11:03: Wir als Omas gehen rechts nicht.

00:11:05: nein!

00:11:06: Wir stehen nicht stark unter Beobachtung und wir haben vor allem keine Angst.

00:11:11: Wir haben keine Angst, uns kann niemand was machen.

00:11:14: Wir sind weder von einem Chef abhängig noch sind wir erpressbar bei unserer Kinder sind erwachsen.

00:11:20: unsere Enkelkinder sind nicht mehr unsere ureigenste Verantwortung in Verantwortung der Eltern.

00:11:25: Wir tun was wir können aber wenn wir nebenbei noch politisch aktiv sind kannst du es ja kein Mensch verbieten.

00:11:31: das ist ja das Sinn der Demokratie dass jede und jeder sich zu Wort melden

00:11:35: darf.

00:11:36: Und Sie haben ja gerade selbst gesagt durch diese ganze Debatte nach der kleinen Anfrage sind viele Menschen aufgewacht, sind aus sie zugekommen haben sich angeschlossen.

00:11:43: Seit neun Jahren gibt es die Omas gegen rechts.

00:11:45: mittlerweile und in diesen neuen Jahren ist ja auch unheimlich viel passiert also auch politisch wenn man auf die Welt schaut was gerade los ist?

00:11:52: hat sich die Bedeutung im Laufe der Jahre verändert?

00:11:55: Und auch das Engagement der Menschen?

00:11:57: Wir sind im neunten Jahr.

00:11:59: Leider ist das, was ich gedacht habe vor neun Jahren.

00:12:03: Dass wir kämpfen müssen gegen den Rechtsextremismus hat sich in einer Weise verschärft dass ich es nicht wahr haben kann.

00:12:10: Es ist unglaublich wie die Welt nach rechts gewandert ist auch Europa und die Art und Weise wie die Menschenrechte ausgehöhlt werden das bringt schon zu denken Und ich bin stolz auf alle älteren Frauen und manche Männer auch, die sagen sie wollen die Menschenrechte schützen.

00:12:29: Und die Demokratie basiert auf den Menschenrechten.

00:12:32: Jeder Mensch ist gleich an Rechten – und dann würde!

00:12:36: Ja das muss man doch umsetzen.

00:12:37: Da bin ich keine Träume erinnert, da bin ich

00:12:39: Realistin.".

00:12:40: Und können Sie es nachvollziehen wenn Menschen in der heutigen Situation sagen, ich fühle mich unmächtig.

00:12:47: Ich weiß nicht wo ich anfangen soll.

00:12:48: es ist einfach zu viele Krisen auf der ganzen Welt.

00:12:52: was bringt dieses Engagement überhaupt noch?

00:12:54: Es wird doch sowieso alles nur viel schlimmer.

00:12:56: Ja also was bringt das?

00:12:57: auf der Straße zu stehen oder zu demonstrieren haben wir von Anfang an gehört wenn schon niemandem etwas bringt was ich nicht glaube weil die Jugend hat das sehr gut gefunden und wir sind eine Stütze der jungen Menschen.

00:13:10: die demonstriern gehen mit dem Staat das Gewohn nicht abfinden können.

00:13:15: Aber es bringt auch uns was, ja viele... ältere Menschen sind aktiver geworden, mischen sich in den täglichen Dialog ein und haben den Eindruck, sie können mitgestalten.

00:13:26: Und sonst wären nicht vierzigtausend Frauen und manche Männer in Deutschland aktiv?

00:13:32: Sie werden es nicht!

00:13:32: Das heißt das ist ein Urbedürfnis zu sehen, in welche Abgründe wir schlittern könnten und etwas dagegen zu

00:13:40: tun.

00:13:40: Aber könnt ihr diese Ohnmacht nachvollziehen und wie kann man der begegnen?

00:13:44: Also

00:13:44: die Ohrmacht erhält sich in verschiedenen Bereichen.

00:13:47: Angesichts der Weltsituation fühle ich auch das Gefühl weniger von Ohrmacht als von Angst.

00:13:53: Angesichts innern politischer Themen fühle nicht das Gefühl von Ohhrmacht, sondern da können wir aufstehen und etwas dagegen tun.

00:14:01: Also in Europa fühle Ich keine Ohr-Macht!

00:14:05: Sondern es liegt an jedem einzelnen Menschen Wählerin und Wähler nicht diese Parteien zu wählen, die Europa abschaffen wollen.

00:14:14: Sie wollen Europa abschafen, sie wollen die Demokratie abschaufen und den Diskurs abschauen weil diese Geschichte traut sich nichts mehr sagen.

00:14:22: das kommt daher dass alles polarisiert wird.

00:14:26: Das Positivste an der Demokratie ist dass verschiedene Lager miteinander ein Ziel aushandeln müssen.

00:14:33: ja sie müssen sich an einen Tisch setzen.

00:14:35: unter eine muss ein bisschen nachgeben und da andere muss ein wenig nach geben und Kompromiss.

00:14:41: Und wenn diese Qualität abhanden kommt, das heißt eine Partei die sagt alles was wir sagen ist richtig und alles andere ist falsch und wird gehetzt.

00:14:50: Die ist nicht diskursfähig und somit zerschlägt sie den demokratischen

00:14:54: Diskurs.".

00:14:55: Und welchen Teil können die Omas gegen rechts als Bewegung dazu beitragen damit eben dieser Diskurs auch wieder stattfindet wo sich beide Lager an einen Tisch setzen und ein Kompromis finden um die Demokratie zu erhalten?

00:15:09: Das grüßt Kinder.

00:15:11: Aber wir zeigen es vor, dass wir Themen aufzeigen und die Politik mahnen.

00:15:19: Sonst gibt's auch nicht so viel Widerstand gegen uns.

00:15:22: Es sind ja genug Drohungen und Hassmails, die wir bekommen – das heißt, wir haben den Finger schon auf der Wunde!

00:15:30: Aber Hassmail und Drohung Klingt ja jetzt erst mal nach einer noch stärkeren Polarisierung.

00:15:35: Wir können es nicht schaffen, was die Gesellschaft nicht schafft.

00:15:39: Die Gesellschaft muss schaffen dass es zu mehr Diskursplattformen kommt.

00:15:44: wir können nur aufzeigen das der Status quo so nicht haltbar ist Und dass die Mitte parteien nach rechts schlendern und nach rechts schauen, und nach Rechts blicken ist eine Katastrophe.

00:15:56: Weil wenn die Mitte der Gesellschaft nach rechts wandert dann wird Krieg sein.

00:16:01: Ja?

00:16:01: Rechtsextreme Parteien bedeuten immer Kampf!

00:16:05: Das sieht man ja auch im Osten Deutschlands wie kampfbereit diese Leute

00:16:10: sind.

00:16:10: Und gibt es auch oder gab es einen konkreten Moment wo sie gedacht haben Genau dafür mache ich das.

00:16:17: Das ist jetzt ein Erfolg der Omas gegen rechts!

00:16:19: Es gab viele Momente natürlich, es ist jeden ... jeder Tag an dem wir auf der Straße stehen zum Beispiel unsere Mannwache.

00:16:27: Flucht ist ein Menschenrecht und im Menschenrechte kennen Demokratie ist sinnvoll.

00:16:33: Ja, ich könnte ja stattdessen im Lehinstuhl ein Buch lesen oder Kekse backen.

00:16:37: Nein!

00:16:37: Ich stelle mich hin und warne unsere Regierung und sage wir können das nicht akzeptieren.

00:16:44: die Pushbacks an den Grenzen Europas Das ist brutal, das ist Gewalt.

00:16:50: Wir leben in einer Demokratie, die gewaltsam gegenüber Menschen ist, die auf der Flucht sind.

00:16:55: Und das ist die Frage Ist das richtig?

00:16:59: Oder falsch?

00:16:59: Sie werden mir die Antwort geben

00:17:02: Falsch.

00:17:03: Sie sind eine wirklich laute und mahnende und auch wichtige Stimme.

00:17:07: Aber fragen sie sich auch manchmal, wofür macht das eigentlich?

00:17:10: Nie!

00:17:10: Entweder habe ich eine innere Mission aber wir sind eine Generation die nach dem Krieg geboren wurde, die von ihren Eltern gehört hat welche Schrecken der Zweite Weltkrieg war wie grauenhaft Familien gelitten haben.

00:17:27: Wir haben in unser Stammbuch geschrieben bekommen, ihr seid verantwortlich für diese Gesellschaft.

00:17:32: Diese Verantwortung spüre ich und egal was passiert, ich werde mich dieser Verantwortung

00:17:37: stellen.".

00:17:38: Und wie schaffen wir es jetzt einen anderen Menschen ihrer Generation zu überzeugen?

00:17:43: Die sagt – Ich fühle mich unmächtig!

00:17:45: Ich packe das nicht, meine Stimme ist nicht wichtig.

00:17:48: Es gibt genügend junge Menschen die sich engagieren.

00:17:50: wie schaffen sie es so eine Person zu überzeugen?

00:17:53: weil nicht jeder hat diese Motivation und diese Stärke die Sie mitbringen?

00:17:56: Ja ich kann nur sagen gibt die Depression im Klo ab und stehe auf!

00:18:03: Weil es ist ja ein absolut depressiver Spruch.

00:18:06: Ja ich bin so ohmächtig.

00:18:10: Ja, aber wie soll ich denn eine Depression

00:18:12: im Klo runterspielen?

00:18:13: Nein!

00:18:14: Ich muss sagen wir müssen aufstehen.

00:18:16: Wir müssen das abschädeln.

00:18:17: Ich gebe Ihnen völlig recht, aber ich frage mich nur wenn jetzt jemand zuhört und sich denkt ne wozu das alles... Sie müssen die Menschen ja anstecken mit dieser wunderbaren Energie, die sie mitbringen.

00:18:28: Ja

00:18:28: ich habe doch eine Verantwortung in dieser Welt!

00:18:30: Das meine ich?

00:18:31: Ja

00:18:31: für Kinder und Enkelkinder oder Kinder und enkel Kinder anderer.

00:18:35: aber ein Staat kann doch nur funktionieren wenn es auch eine Zukunft in diesem Staat geht Und die Zukunft ist die Jugend.

00:18:43: Das heißt, wir sind für die Jugend verantwortlich.

00:18:45: Wir müssen Ihnen auch ein Vorbild liefern!

00:18:48: Viele junge Menschen sagen zu uns dass es euch gibt.

00:18:51: das ist wunderbar.

00:18:52: wenn ich einmal alt bin will ich Oma gegen rechts werden oder sein und das ist so nett.

00:18:57: bei unserer ersten Demo ist ein junger Mann zu mir gekommen gesagt kann ich auch so einen Button haben für meine Oma Und wir sind als Backup der Jugend sind Großeltern immer Die Eltern sind beschäftigt mit dem täglichen Kampf, mit Job und mit Nahrungserwerb und Kindererziehung.

00:19:16: Aber die Großeltern stellen sowas wie eine Ressource dar.

00:19:19: Und gestern hat wieder jemand gesagt Oma kann sie nicht damit identifizieren.

00:19:24: Es ist ein Generationenbegriff.

00:19:26: Wir sind die Generation der Omas.

00:19:28: wir müssen nicht eigene leibliche oder enkel Kinder haben.

00:19:32: Das ist die Aufgabe dieser Generation für das Wohl der Familie zu sorgen.

00:19:37: So ist es, war immer schon so.

00:19:40: Was haben die Omas gegen rechts als nächstes geplant?

00:19:42: Also gerade in Anbetracht der aktuellen Entwicklungen ihr seid jetzt europaweit vernetzt?

00:19:48: Ja wir gründen jetzt einen europaweiten Verein und wir werden schauen dass wir in möglichst vielen Ländern auch interessierte zusammenbringen können, vernetzen.

00:20:00: Also Vernetzung ist eigentlich das nächste Ziel, dass wir uns mit der Schweiz mehr vernetzten – mit Italien und Holland gibt es auch Interesse und einige andere Länder.

00:20:12: Auch in Osteuropa?

00:20:12: In Polen gibt's eine Gruppe ja und in Amerika gibt's auch Interessen.

00:20:17: Das ist der nächste Schritt und das soll etwas Einfaches werden aber kommunikatives Eine Vernetzung.

00:20:25: Digital dann vermutlich?

00:20:26: Ja, hier in Sitz von Machtspielen und Wichtigkeiten eine große Plattform herstellen

00:20:32: Und diese digitale Vernetzung der verschiedenen Gruppen.

00:20:35: geht es da primär um... Informationen?

00:20:38: Ja.

00:20:38: Oder auch um Vernetzung, die Mobilisierung der Menschen?

00:20:41: Um Bestätigung,

00:20:42: um Information, um gemeinsam einen Austausch über Ziele, über Neue vielleicht vorhanden des Protests und das kann ja noch was entwickelt werden.

00:20:50: Wir haben zum Beispiel in Wien eine Gruppe, die heißt Omas on Stage.

00:20:55: In der Steuermark haben sie jetzt einen perchten Lauf im Faschen gemacht, um die Unmenschlichkeit auszutreiben.

00:21:01: Das war ein Riesenteater.

00:21:03: Die Krampusvereine haben protestiert dass die alten Damen und Frauen sich wagen, sich als Beachten zu verkleiden.

00:21:13: Und in Deutschland gibt es ganz viele Initiativen, die ich jetzt gar nicht alle kenne aber wir müssen weiter

00:21:20: denken.".

00:21:20: Facebook hat eine sehr große Rolle gespielt bei ihrer ganzen Bewegung.

00:21:23: sie sind auch großen Befürworterin des Internets.

00:21:26: Ja natürlich weil ohne Internet wären gibts uns nicht!

00:21:29: Wir können uns vernetzen, wir können Termine ausmachen.

00:21:32: Ich habe selber glaube ich acht Kanäle auf denen ich komme.

00:21:36: Kann

00:21:36: man erwarten, dass andere Omas und Opas das auch so selbstverständlich hinbekommen?

00:21:41: Wie Sie.

00:21:42: Es ist jedem älteren Menschen möglich einen jüngeren Menschen zu fragen und um Hilfe zu bitten.

00:21:49: Und so kompliziert es nicht, also jeder Mensch kann damit auch einen Kontakt zur Jugend herstellen und ich finde das enorm wichtig!

00:21:58: Es darf nicht so sein dass die Gesellschaft sich immer mehr spaltet in jung und alt und reich und arm, das darf nichts sein.

00:22:04: Das

00:22:05: ist eine gemeinsame Aufgabe da gebe ich Ihnen recht Und ich glaube, dass er diese Hürde zu überwinden, dass das alles recht kompliziert wirkt.

00:22:11: Was ist am Ende des Tages tatsächlich?

00:22:12: Ja, es ist auch für junge Menschen kompliziert.

00:22:14: Das ist ein Vorurteil, dass man glaubt, ältere können und nicht unjungen können uns.

00:22:18: Mir hat letztens meine Schwieger-Dochter erzählt sie braucht zehn Schritte um in einer internationalen Firma zu einer Anleitung oder zu einem, wie nennt man das denn Zeitmanagement zum Beispiel so eine Applikation.

00:22:31: Also da sind unglaublich viele Schritte, dass sich selbst die Mitarbeiterin diese Applikations öffnen kann.

00:22:36: Und dann haben wir sehr gelacht und ich habe gesagt, du das muss ich jetzt filmen.

00:22:39: Ich habe gesagt nein sie will nicht dass ich das filme aber im Grunde genommen ist es unglaublich.

00:22:45: also auch jüngere Menschen leiden unter der Komplexität.

00:22:48: Oh ja da kann ich Ihnen recht geben Frau Salzer ich hätte noch eine persönliche Frage.

00:22:52: Sie wirken sehr positiv und optimistisch und voller Energie.

00:22:57: was gibt ihnen in diesen Zeiten indem wir gerade leben Hoffnung?

00:23:02: Was macht ihnen auch Mut weiter zu machen dieser Kampfbereitschaft.

00:23:06: Ich glaube, wenn man das Leben als positiv sieht, dass ich leben kann überhaupt und lebe, dann habe ich die Hoffnung dabei.

00:23:15: Weil ich kann ja nur leben, wenn ich an den nächsten Tag glaube.

00:23:19: Wenn ich nicht glaube, wäre ich sehr traurig sein Das Leben an sich ist lebenswert.

00:23:27: Mein Vater hat immer gesagt, das Leben ist wunderbar.

00:23:30: Herrlich!

00:23:31: Das Leben ist herrlich.

00:23:32: Je älter geworden er ist, desto mehr hat er immer gesagt – das Leben is' herrlig!

00:23:37: Also vielleicht hab ich sonst von ihm geerbt aber wir haben ja nur das Leben.

00:23:41: Das ist das einzige was zur Verfügung steht und das kann ich heute positiv oder negativ gestalten.

00:23:48: Aber das Wichtigste ist glaube ich die innere Haltung.

00:23:52: weniger, was um mich herum ist eine innere Haltung und vielleicht bin ich da aufgrund meiner theologischen Vorbildung.

00:24:00: auch habe ich gelernt dankbar zu sein.

00:24:03: Das

00:24:03: ist ein großes Geschenk weil ich glaube dass viele ältere Menschen auch sehr viel Frust mit sich tragen und eben genau das was sie gerade beschreiben diese Haltung nicht unbedingt so.

00:24:13: Ich

00:24:13: verstehe es auch Lebensenttäuschung aber die Verantwortung hat jeder Mensch die aufzuarbeiten.

00:24:21: Viele Menschen sind noch krank und haben natürlich Trauer.

00:24:24: Also will ich nicht wegschieben.

00:24:26: Armut,

00:24:27: es gibt so viele Sorgen die man haben kann im Alter?

00:24:29: Absolut,

00:24:29: absolut!

00:24:31: Aber... Ich bin gar nicht sicher ob arme Menschen am traurigsten sind.

00:24:35: Bin ich gar nichts sicher.

00:24:36: Prinzipiell ist die Verantwortung, die ich durch das Leben bekommen habe, die ist wichtig.

00:24:44: Und ich meine, ich hab auch Kinder und Enkelkinder, ich bin auch für die stark.

00:24:49: Ich will ja nicht, dass sie traurig haben und das Gefühl haben, Sie werden nicht geliebt.

00:24:56: Und was mir natürlich hilft ist eine Liebesfähigkeit in der Gewisse.

00:25:00: Also ich liebe eigentlich alle jungen Menschen!

00:25:05: Das spürt man.

00:25:06: Ganz zum Schluss noch eine Bitte, könnten Sie den Satz einmal so kompakt vervollständigen?

00:25:12: Wir alle

00:25:14: können Gesellschaft besser machen indem wir mit unseren Nachbarn beginnen zu reden indem wir uns in Gruppen zusammenschließen und indem wir unsere politischen Ziele nicht verraten, sondern nötigenfalls auch auf der Straße sie verteidigen.

00:25:29: Das sind wunderbare Abschlussworte!

00:25:30: Vielen vielen herzlichen Dank für diese spannenden Einblicke und weiterhin ganz viel Entschlossenheit und Hoffnung und Erfolg und Kampf-Lustigkeit.

00:25:39: kann man das so nennen?

00:25:42: Und Energie.

00:25:43: Ja die Energie kommt eigentlich wenn man sich aufmacht zu gehen.

00:25:46: Danke Monika Salzer.

00:25:48: Danke auch

00:25:55: Gesellschaft besser machen, eine Podcastproduktion der Körberstiftung.

00:25:58: Projektleitung Amira Naumann Moderation und Redaktion Muster Scherzada.

00:26:06: Wenn euch dieser Podcast gefällt dann abonniert ihn gerne und lasst eine Bewertung da!

Über diesen Podcast

Wie können wir Polarisierung begegnen – und Europa stärken? In „Gesellschaft besser machen“ spricht Moderatorin Muschda Sherzada alle zwei Wochen mit Persönlichkeiten aus Politik, Zivilgesellschaft, Medien und Wissenschaft über die drängendsten gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit. Verständlich, lösungsorientiert und nah an aktuellen Debatten liefert der Podcast neue Perspektiven, konkrete Ideen und Inspiration für ein starkes Europa und gesellschaftliches Miteinander. Ein Podcast der Körber-Stiftung.

von und mit Körber-Stiftung

Abonnieren

Follow us