00:00:00: Ich werde gebraucht, ich bin Teil dieser Gemeinschaft.
00:00:02: Ich kann vor Ort etwas verändern.
00:00:04: Das ist total wichtig, dass Menschen das erfahren und glauben um auch an die Demokratie glauben zu
00:00:10: können.".
00:00:19: Wie können wir Polarisierung begegnen?
00:00:21: Und Europa
00:00:22: stärken?!
00:00:22: Hi!
00:00:23: Ich bin Muster Scherzader – und das isst.
00:00:25: Gesellschaft Bessermachen.
00:00:27: ein Podcast der Körberstiftung.
00:00:28: Hier spreche ich alle zwei Wochen mit verschiedenen Menschen, die genau diese Fragen bewegen.
00:00:38: Ohne Ehrenamt würde in Deutschland vieles nicht funktionieren, ob bei der Freiwilligen Feuerwehr beim örtlichen Sportverein oder im städtischen Jugendzentrum.
00:00:46: Doch dieses Rückgrat unserer Gesellschaft steht massiv unter Druck – wer heute freiwillig Verantwortung übernimmt hat nicht nur mit bürokratischen Hürden und begrenzten Mitteln zu kämpfen sondern auch mit Themen wie Überforderung, mangelnder Wertschätzung und öffentlichen Anfeindungen.
00:01:00: Was bedeutet das für unsere Demokratie wenn gerade dort die Kräfte schwinden wo sie konkret gelebt wird?
00:01:06: Darüber spreche ich Dürrte Dinger seit dem Jahr- und Schäfen des Bundespräsidialamtes.
00:01:13: Zuvor war sie Leiterin des persönlichen Büros von Bundespräsident Frank-Weiter Steinmeier und Referatsleiterin am Auswärtigen Amt.
00:01:19: Sie kennt die Perspektive der Staatsspitze ebenso gut wie die praktischen Herausforderungen vor Ort, und ich freue mich sehr über Ihre Zeit heute.
00:01:26: herzlich willkommen!
00:01:27: Ja, gerne.
00:01:28: Danke für die Einladung!
00:01:29: Frau Dinger, wenn wir über Demokratie sprechen dann denken viele oft zunächst an große Gebäude und Institutionen angesetzt in Berlin aber wenn wir mal auf die Menschen schauen, die nach Feierabend beispielsweise noch den Sportplatz mähen, die Freiwillige Feuerwehr koordinieren oder ehrenamtlich im Stadtrat aktiv sind?
00:01:47: Was würde hierzulande fehlen, wenn es diese Menschen nicht gäbe?
00:01:50: Ja das kann man sich glaube ich kaum ausmalen, dann würden wir in einem anderen... Land leben, also vieles was unsere Gesellschaft ausmacht.
00:01:57: Was das Miteinander in unseren Städten vor Ort wirklich lebenswert macht sind ja Dinge die durch Ehrenamt getragen werden.
00:02:04: ob dass die Organisation Sie haben es gerade gesagt von Sportvereinen ist soziales miteinander Die Unterstützung von Menschen die Hilfe brauchen die Begleitung von Familien mit Kindern und die Organisation von Kulturprogrammen.
00:02:19: Also Es würde zu lange dauern das alles aufzuzählen aber unserer Gesellschaft wird erfahrbar für viele Leute, gerade dadurch dass es eben Menschen gibt die an mehr denken als an sich selbst.
00:02:31: Die am Feierabend noch die Energie zusammensammeln um sich zu kümmern, organisieren, Menschen zusammenzubringen.
00:02:39: und das ist wirklich etwas das unser Land auszeichnet und was wir erhalten müssen.
00:02:43: Dann
00:02:43: lassen Sie uns doch vielleicht mal ganz konkret über die ehrenamtlichen Bürgermeisterinnen und Bürgemeistersprechen.
00:02:49: ein ganz wichtiges Beispiel.
00:02:52: Zahl in Deutschland.
00:02:53: Und eine Umfrage der Körperschriftung hat gezeigt, dass nur ein Drittel ungefähr zufrieden sind mit ihren Gestaltungsspielräumen.
00:03:00: Viele verbringen den Großteil ihrer Arbeit mit Verwaltungen und die Mehrheit sieht vor allem fehlender Haushaltsmittel als große Herausforderung.
00:03:05: Sie erleben diese Realität natürlich unmittelbar nicht nur abstrakt sondern auch vor Ort.
00:03:09: im ganzen Land sind viele unterwegs gemeinsam Mit dem Bundespräsidenten.
00:03:12: wo erleben sie denn aktuell vor allem Frustration oder auch Überforderung?
00:03:16: Und hat sich da in den letzten Jahren etwas verändert?
00:03:19: Ja
00:03:19: also danke das.
00:03:21: ihr da auf die ehrenamtlichen Bürgermeister zu sprechen kommen, das ist in der Tat eine Gruppe die uns ganz besonders am Herzen liegt.
00:03:26: Der Bundespräsident auch früh entschieden hat da einen Schwerpunkt seiner Arbeit ihnen zu widmen.
00:03:31: Politisches Ehrenamt ist ja auch ein Ehrenamt und steht oft so ein bisschen im Schatten der allgemeinen Wertschätzung, die wir Ehrenabend entgegenbringen.
00:03:39: Viele – das habe ich selbst auch erfahren als ich früher ehrenamblich politisch aktiver – reagieren so nase rümpfend oder Politik.
00:03:46: Ja, das machst du noch für die eigene Karriere und so.
00:03:52: Es hat irgendwie ein schlechtes Image, und dabei vergessen wir das einen Großteil der politischen Arbeit gerade vor Ort wirklich auch in Ehrenamt geleistet wird, dass es längst nicht kompensiert wird mit geringen Sitzungsgeldern die man vielleicht bekommt aber doch vor allem viel Herzblut, viel Energie- und Lebenszeit investiert wird um vor Ort die Lebensbedingungen zu verbessern.
00:04:10: Insofern ist Wertschätzung ganz wichtiges Thema aus meiner Sicht, dass wir den Menschen Schulden, die dort vor Ort Demokratie mit Leben erfüllen.
00:04:19: Wertschätzung ist das eine, aber sie haben es eben schon angedeutet.
00:04:23: Handlungsfähigkeit ist auch ein ganz großes Thema.
00:04:26: Es kann sich jeder sofort vorstellen, frustrierend wenn man so viel Zeit und Energie investiert und dann merkt so richtig hat man doch eigentlich nicht die Hebel um Dinge... zu verbessern, Veränderungen anzuschieben.
00:04:38: Das liegt natürlich viel an der finanziellen Ausstattung der Kommunen.
00:04:43: Die wird über die Zeit tatsächlich schwieriger.
00:04:45: deswegen gibt es ja auch Gespräche landesbundesebene.
00:04:48: Der Bundespräsident bemüht sich da immer unterstützend sozusagen tätig zu sein um die finanzielle Lage der Kommunen zu verbesseren.
00:04:56: das ist dringend notwendig.
00:04:57: und das Dritte ist aber eben der wirksame Schutz der Kommunalpolitikerinnen die häufig und dass hat sicherlich sich in den letzten letzten Jahren verschlechtert, dezidiert angefeindet, diffamiert und auch bedroht werden.
00:05:10: Das ist natürlich ein großes wichtiges Thema, Social Media spielt hier eine wichtige Rolle.
00:05:13: Ich glaube auch Sie sind wahrscheinlich als Frau in der Öffentlichkeit persönlichen Anfeindungen ausgesetzt.
00:05:18: Wann haben sie da das letzte Mal negative Erfahrungen gemacht?
00:05:22: Naja also ich persönlich habe ja so ne halb öffentliche Rolle.
00:05:25: Als Chefin des Bundespräsidialamtes bin ich jetzt nicht direkt ständig In der Öffentlichkeit Und insofern ist sozusagen dass was ich abkriege manchmal Bürgerbriefe die frustrieren sind oder so.
00:05:36: Ich habe keine eigene Präsenz auf Social Media und so, also das ist nicht zu vergleichen mit dem was Kolleginnen Kollegen auch Freundinnen und Freunde da erleben müssen die wirklich mit einem eigenen Amt oder Mandat in der Öffentlichkeit stehen.
00:05:48: wir haben früh angefangen in den in der ersten Amtszeit schon des Bundespräsidenten diese Menschen auch den Öffentlichkeits zu geben uns schützend hinter sie zu stellen.
00:05:57: einige Bürgermeisterin sind ja auch bundesweit bekannt geworden ich denke an Frau Angermann zum Beispiel aus Sachsen weil Sie ihre Ämter niedergelegt haben und gesagt haben, ich kann diesen Hass diese Hetze nicht mehr ertragen.
00:06:09: Und das ist natürlich für unsere Demokratie als Ganzes wirklich schädlich es Gift wenn Menschen leider insbesondere Frauen sich überlegen müssen will Ich mir das wirklich antun meine Meinung zu sagen in der Öffentlichkeit mit allem was dann danach folgt?
00:06:23: das darf nicht sein.
00:06:24: Was ja absolut nachvollziehbar ist, also auf der einen Seite haben wir Menschen die unheimlich motiviert sind und dann aber diese Hetze ausgesetzt sind und ich glaube dass ein unheimig großes Thema diese Menschen zu schützen und ich bewundere auch die Resilienz dieser Menschen habe aber maximales Verständnis für Menschen besonders auch Frauen die sagen sorry aber das geht mir zu weit.
00:06:40: wenn es beispielsweise gegen meine Familie geht oder mich als Privatperson finde ich ganz gruselig.
00:06:45: diese Entwicklung ehrlicherweise und das führt wahrscheinlich dann auch zudem Thema wie attraktiv ist dieser Bereich eigentlich noch?
00:06:52: wie schaff ich es, Nachwuchs zu gewinnen und das vor allem auch langfristig.
00:06:56: Das ist glaube ich eine große Herausforderung im Ehrenamt in Deutschland oder?
00:06:59: Ja, das betrifft sowohl das Ehrenamt als ganzes als auch die Politik.
00:07:04: Das sind natürlich auch wieder wie so oft ganz viele Entwicklungen, die da noch Rolle spielen.
00:07:08: also schon als ich früher im politischen Ehrenabend unterwegs war.
00:07:11: Da gab es Social Media noch gar kein Thema und trotzdem hatten wir damit zur Kämpfen Leute zu gewinnen einfach weil sich natürlich die Lebensrealität von jungen Leuten auch dramatisch geändert hat.
00:07:20: in den letzten dreißig Jahren Wissen wir alle, das können wir auch nicht ändern.
00:07:25: örtlich viel flexibler geworden ist, dass Arbeitszeiten viel entgrenzter sind und so schafft Möglichkeiten.
00:07:30: Aber es schafft natürlich auch, also setzt unter Druck dieses klassische Ehrenamt wie das früher war.
00:07:36: man geht jeden Mittwoch zur Vereinssitzung und jeden Sonntag steht man irgendwo im Spielfeldrand oder so.
00:07:42: Das können viele Leute einfach nicht mehr leisten.
00:07:44: Und insofern sind alle Organisationen gefragt Parteien sich dazu öffnen flexi bleres Engagement zu anzubieten digitaler zu werden.
00:07:54: aber Und darauf weist eben der Bundespräsident immer wieder hin bei all diesen neuen Möglichkeiten.
00:08:00: Wir werden am Ende die menschliche Begegnung und auch sozusagen das menschlichere Commitment nicht ersetzen können, dass brauchen wir.
00:08:07: Und darum geht es uns auch dafür weiter zu
00:08:09: werben.".
00:08:09: Und
00:08:10: das haben Sie ja zum Anlass genommen den Ehrentag ins Leben zu rufen erstmals.
00:08:15: Am XXIII.
00:08:16: Mai findet dieser Stadt.
00:08:17: vielleicht können sie uns einmal erklären was war die Idee dahinter?
00:08:21: Was soll dieser Tag
00:08:22: bewirken?".
00:08:22: Also die Idee des Ehrentags ist eigentlich oder die Überzeugung, die dahinter steht.
00:08:27: Das Ehrenamt ist wichtig für all die Themen über die wir Eingang schon gesprochen haben.
00:08:31: Vieles würde nicht funktionieren ohne Ehrenamten.
00:08:33: darüber hinaus ist das Ehrenabend aber eben auch für unsere Demokratie so etwas wie eine tägliche Übung sagen wir mal der demokratischen Grundfertigkeiten.
00:08:42: Menschen erleben jeden Tag wieder neu, ich werde gebraucht!
00:08:46: Ich bin Teil dieser Gemeinschaft, ich kann vor Ort etwas verändern.
00:08:49: Das ist sozusagen total wichtig dass Menschen das erfahren auch glauben um auch an die Demokratie glauben zu können.
00:08:56: und das zweite Ehrenamt ist natürlich total wichtig um immer wieder Begegnung von Menschen zu organisieren und zwar Begegenungen nicht nur so innerhalb der eigenen Blase wie wir das in Social Media immer mehr haben sondern einfach mit Leuten den man vielleicht am Arbeitsplatz oder Qua-Ausbildung oder so eher nicht so viel zu tun hätte.
00:09:13: Das darf uns nicht verloren gehen und deswegen haben wir gedacht, der XXIII.
00:09:17: Mai, der Tag des Grundgesetzes wie die meisten wissen, der bisher aber noch nicht wirklich eine Form gefunden hat, wie man ihn begehen kann wäre doch eigentlich ein geeigneter Tag um diese Grundfertigkeiten einzüben in den Vordergrund zu stellen und zwar nicht in einer pädagogisch politisch bildenden Art von einem Podium herab, sondern wirklich durchs aktive Mitmachen.
00:09:38: Und wie wird dieser Tag sich dann in der Praxis gestalten?
00:09:42: Also was kann ich mir darunter vorstellen?
00:09:44: Wir wollen dass dieser Tag ein großer Mitmachtag wird.
00:09:47: Ein Tag an dem vor Ort in allen Städten und Gemeinden überall im ganzen Land Aktionen stattfinden, wo Menschen mit anpacken sich einbringen um ihr Umfeld ein Stück besser machen zu lassen.
00:10:00: Und das können so unterschiedliche Dinge sein.
00:10:03: Müllsammeln fällt einem sofort ein wenn man in Berlin lebt macht einem großen Unterschied.
00:10:08: Spielplätze renovieren, die Wand streichen in der Schule ins Altenheim gehen mit dem Chor und da die Menschen erfreuen indem man ein kleines spontanes Konzert gibt so viele in den Werkzeug-Schuppen bei der Feuerwehr aufräumen oder im Fußballverein, die den Rasen fliegen.
00:10:28: Also Dinge, die gemacht werden müssen für die vielleicht oft keine Zeit bleibt und wo zusätzliche Hände gebraucht werden können.
00:10:34: Das ist die Idee und ich bin total dankbar dass wir da jetzt auf dem Weg soweit gekommen sind ganz viele Organisation aus den unterschiedlichsten Bereichen gewonnen haben und auch hoffentlich dazu kommen viele Menschen zu aktivieren, die bisher noch nicht ehrenamtlich eingebunden sind in Strukturen.
00:10:51: Was glauben Sie denn, ist dann bei Einzelpersonen in der Zivilgesellschaft so die größte Hemmschwelle sich zu engagieren?
00:10:58: Und gibt es auch Unterschiede wenn wir in die Stadt gucken oder auf den ländlichen Raum.
00:11:03: Ich persönlich, ich hab mich auch schon oft ehrenamtlich engagiert aber ehrlich gesagt immer zeitlich befristet weil ich dann beispielsweise die Stadt fürs Studium verlassen habe und fertig war.
00:11:10: Weil dann kamen die zwei Kinder, da hat man gedacht, ich pack das nicht im Alltag!
00:11:13: Ich kann jetzt auch nicht ein großes Thema anfangen um mich wieder rausziehen.
00:11:16: also dieses Commitment fühlte sich als zu groß an.
00:11:19: Kann ich es leisten?
00:11:20: Enttäusche ich jemand wenn ich mich wieder herausziehe?
00:11:22: dass ist so meine persönliche Erfahrung.
00:11:24: bis dann auch mal jemand zu mir meinte sind halt auch schon wirklich die kleinen Dinge wie sie gerade gesagt haben einfach mal Müll aufsammeln, gemeinsam mit der Kita-Gruppe beispielsweise.
00:11:32: Einmalige Aktionen die helfen und dann auch diese Person mir erklärt hat naja aber du ziehst halt eben gerade zwei kleine Kinder groß das ist Kehrarbeit, dass es auch eine Form von Engagement und das hat bei mir einen Riesenschalter umgelegt.
00:11:43: Das war mir vorher gar nicht klar.
00:11:44: also was ist so den Köpfen der Menschen die vielleicht diese Hürde ebenfalls noch ein bisschen
00:11:48: haben?
00:11:49: Ja sie haben ja viele Hürden jetzt schon erwähnt.
00:11:52: ich glaube wirklich Mobilität, die einen immer wieder rausreißt aus Strukturen wo man vielleicht gerade anfängt sich heimisch zu fühlen und sich auch reinzugeben in Strukture.
00:12:02: Das ist natürlich ein großes Hindernis ich würde schon sagen auch deswegen es gibt das Unterschiede zwischen Stadt und Land.
00:12:09: wir sehen natürlich auch bei unseren ganzen Besuchen im ganzen Land dass es prinzipiell im ländlichen Raum eher noch eine Selbstverständlichkeit gibt auch eine Art von Erwartungshaltung sage ich mal sich zu engagieren.
00:12:21: Das hat viel auch mit dem familiären Hintergrund zu tun, wenn eben die Eltern schon ganz selbstverständlich immer einem das vorleben und man in diesem Umfeld bleibt.
00:12:28: Dann ist man vielleicht auch geneigter, dass dann auch nachzutun.
00:12:31: Ich habe aber auch Verständnis also das soll wirklich gar keine Kritik sein ich hab Verständnissen für die vielen gerade so auch in unserem Alter Menschen im mittleren Lebensalter Die Kinder großziehen die gleichzeitig noch im Job gefordert sind und sodass die Zeit wird dafür natürlich einfach knapp Und insofern ist dieser Ehrentag auch erst mal als Angebot gedacht.
00:12:52: Möglichst niedrigschwellig, möglichst in der Nachbarschaft Themen die einen eben wirklich vielleicht auch angehen und das mitmachen einfach zu machen um da so Hürden abzubauen und dann vielleicht auch ein Weg hinein in das Ehrenamt zu finden.
00:13:04: natürlich ist uns bewusst völlig dass eine einmalige Aktion nicht ausreichend wird um Menschen die dem Ehren am Fernstehen dann wirklich längerfristigen Strukturen einzubinden.
00:13:12: aber ich glaube doch mehr Wert schaffen kann, wenn wir in diesem Zeitraum um diesen Tag herum so ein Gefühl schaffen.
00:13:19: In unserem Land von Ansprache direkt der Ansprach an Menschen dass sie eben alle gemeint sind Wenn es darum geht gemeinsam Dinge zu verändern.
00:13:28: Das glaube ich auch.
00:13:29: und wenn wir den Blick jetzt noch mal etwas weiten, also von dem Individuum was sich engagiert oder es hoffentlich in Zukunft tut.
00:13:35: zum Thema Vertrauen.
00:13:36: Was auch eng mit Wertschätzung zusammenhängt Wir beobachten leider ein sinkendes Vertrauen in vielen Bereichen Auch an demokratische Institutionen auch in die Bundesregierung.
00:13:45: Wie würden sie persönlich den Zustand des Vertrauens bewerten?
00:13:49: In demokratischen Institution?
00:13:50: Und welche Veränderungen haben Sie da auch erlebt und beobachtet?
00:13:55: Eine Umfrage der Körberstiftung aus dem vergangenen Jahr zeigte ein gemischtes Bild beim Vertrauen in zentrale Institutionen in Deutschland.
00:14:02: Nur forty-fünf Prozent der Befragten gaben an, grundsätzlich vertrauen in die Demokratie zu haben – besonders hoch ist das Vertrauen im Wissenschaft.
00:14:10: Hier sind es seventy-einen Prozent.
00:14:12: Auch das Bundesverfassungsgericht schneidet mit fünfzehn und fünfzig Prozent vergleichsweise gut ab.
00:14:17: Deutlich kritischer sehen die Befrakten hingegen gegen die Bundesregierung.
00:14:20: Ihr Vertrauten lediglich neunzehnt Prozent!
00:14:25: Die Veränderungen sind schon groß.
00:14:26: Ich meine Unzufriedenheit mit Regierungspolitik ist ja eigentlich eine Demokratie inherent und es auch keine Gefährdung, nicht verboten hat es immer gegeben.
00:14:37: was wir in den letzten Jahren aber ja zunehmend bemerkt haben das ist ja auch untersucht zeichnet sich in allen Studien ab und eben auch in den Gesprächen die wir so führen wachsende Gruppe von Menschen gibt, die nicht nur die aktuelle Bundesregierung oder konkrete Parteien sondern irgendwie das ganze System infrage stellen.
00:14:55: Das trifft dann auch nicht nur Die Bundesregierung, sondern eben viele Institutionen trifft die ganze Szene der Zivilgesellschaft, trifft den Medien.
00:15:05: Es setzt sich so ein Gefühl fest bei einigen zu vielen Menschen im Land dass sie selbst wenig Einfluss haben, dass es irgendwie abgeschlossene Zirkel und Kasten gibt die Sachen unter sich ausmachen.
00:15:19: Und dann immer zu ihrem Nachteil.
00:15:21: Das ist wirklich eine dramatische auch bedrohliche Entwicklung.
00:15:26: Wir haben jetzt schon mehrmals das Stichwort zwischen Media erwähnt.
00:15:30: Es ist natürlich ein Teil der Erklärung dafür Dass Menschen sich immer mehr in Informationszusammenhängen Bewegung sagen wir mal, die sehr einseitig sind.
00:15:40: Die auch die eigene Meinung immer mehr verstärken durch die Algorithmen was wird einem angezeigt?
00:15:45: und so weiter.
00:15:46: Wir verlieren eine gemeinsame Grundlage als Gesellschaft auf der wie uns verständigen Auch ne gemeinsame grundlage von Fakten, die wir alle anerkennen.
00:15:53: Und deswegen hat der Bundespräsident auch die Entscheidung getroffen.
00:15:56: ich setze jetzt ganz old school ganz dezidiert auf die persönliche Begegnung mit Aktionen wie dem Ehrentag, aber auch mit seinen Besuchen im Land.
00:16:05: viermal im Jahr verlegt er seinen Amtssitz.
00:16:06: Dezidiert in eine Kleinstadt ist dort drei Tage vor Ort und wirklich ansprechbar um zu signalisieren lasst uns den persönlichen Austausch
00:16:14: suchen.".
00:16:15: Genau ich glaube hier kann man auch wieder die Brücke schlagen zwischen lokalem Engagement und Vertrauen in Institutionen.
00:16:21: Vielleicht können Sie das noch einmal kurz ausführen, was für ein wichtiges Instrument das eigentlich ist wenn Menschen lokal zusammenkommen und dadurch auch wieder Vertrauen im demokratischen Institution wachsen kann?
00:16:32: Ja ich meine vor Ort ist die Politik natürlich am unmittelbarsten spürbar und zwar für ganz unterschiedliche Gruppen.
00:16:39: also jeder merkt in welchem Zustand der öffentliche Raum direkt vor der eigenen wie gut man Zugang zu Dienstleistungen hat, wie schnell man Termine im Bürgeramt kriegt.
00:16:51: Wie es aussieht mit den Kindergärten der Kinderbetreuung Schulen natürlich dann auch, obwohl wir da schon auf die Landesebene kommen.
00:16:59: aber das sind ja alles Momente in denen der Bürger dem Staat wirklich konkret begegnet jenseits der Debatten, die wir so in den überregionalen Medien über Demokratie führen.
00:17:09: Das sind wirklich sozusagen Momente, in denen ich als Bürger mich zum Start verhalte.
00:17:12: und wenn diese Begegnungen auf Dauer immer wieder frustrierend sind und man das Gefühl hat, es funktioniert nichts.
00:17:20: Es ändert sich nicht.
00:17:21: Meine Meinung ist nicht gefragt.
00:17:24: Dann ist es natürlich nicht verwunderlich wenn sich so langsam auch so ein Zweifel einschleicht ob eigentlich alles mit rechten Dingen zugeht Und deswegen ist dieser Fokus zu sagen die Demokratie funktioniert vor Ort Oder wir bekommen ein Problem im ganzen Land.
00:17:40: Das ist, glaube ich gerechtfertigt und packt sozusagen das Problem an der Wurzel.
00:17:44: Es ist nicht die alleinige Lösung natürlich aber es ist denke ich eine notwendige Bedingung ohne die wir uns die anderen Fragen gar nicht zu stellen brauchen.
00:17:53: Ist es eigentlich so, dass die Zahl der ehrenamtlich engagierten Menschen in Deutschland in den vergangenen Jahren eher zugenommen oder abgenommen hat?
00:18:00: Oder ist das eine Konstante?
00:18:02: Ich glaube, siebenundzwanzig Millionen gibt's ungefähr gerade.
00:18:04: Und kann man sagen, dass sich die Pandemie da irgendwie einen extremen
00:18:07: Cut
00:18:08: reingeschnitten hat?
00:18:09: Ja, das hängt ein bisschen davon ab wie wir den Untersuchungsgegenstand definieren.
00:18:14: sozusagen Das klassische Ehrenamt wird schwächer und vor allem sehr viel älter ganz viele in diesen klassischen Vereinstrukturen, viele Menschen die dann irgendwie dreifach vierfach belastet sind mit verschiedenen Aufgaben.
00:18:28: Die sie übernehmen weil einfach der Nachwuchs wegbricht.
00:18:32: gleichzeitig gibt es aber natürlich und das ist auch finde ich sehr ermutigend bei jungen Menschen ein sehr hohen Grad an Politisierung und auch an Bereitschaft sich zu engagieren.
00:18:42: Das ist nur eben wie ich zu Beginn sagte oft digital oft punktuell und ersetzt damit nicht unbedingt diese diese Dienste an die wir uns gewöhnt haben, die das Ehrenamt zur Verfügung stellt.
00:18:53: Ich bin mir aber ganz sicher dass die jungen Leute auf jeden Fall ansprechbar sind sich für diese Gesellschaft einzusetzen.
00:18:59: Vielleicht
00:18:59: können wir auch noch mal ganz kurz über die aktuelle Entscheidung von Familienministerin Karin Prien sprechen, die ja angekündigt hat, gewisse Programme wie beispielsweise Demokratie leben zu prüfen und auch hier Förderung zu beenden.
00:19:13: Wie bewerten Sie diese Debatte im Zusammenhang mit dem Thema Ehrenamt?
00:19:17: Und was bedeutet diese Unsicherheit für engagierte Menschen vor Ort?
00:19:25: Der Bundespräsident betrachtet die Selbstbehauptung der Demokratie wirklich als die entscheidende Aufgabe unserer Zeit und dass wir dafür eine lebendige Zivilgesellschaft brauchen, dass wir da für politische Bildung brauchen.
00:19:39: Und auch Demokratieförderungen steht für uns völlig außer Frage.
00:19:44: Sie wissen ja, dass der Bundespräsident in seiner Rolle sozusagen nicht die aktuelle Regierungspolitik macht.
00:19:48: Sie auch nicht kommentiert und das eine neue Bundesregierung, die neu ins Amt kommt sozusagen überprüft Programme, die laufen, die von vorherigen Regierungen aufgesetzt worden sind.
00:20:00: Das ist denke ich auch ein normaler Vorgang und insofern müssen wir jetzt mal gucken wie es sich dann wirklich konkret auswirkt.
00:20:09: aber Also ich glaube, in dem Ziel unserer Demokratie zu stärken ist sich der Bundespräsident mit der Bundesregierung und gerade auch mit Ministerin Prin sehr einig.
00:20:18: Und wenn wir uns jetzt von diesem konkreten Fall lösen und einmal grundsätzlich gucken, welche Hebel hat die Politik um Vertrauen zu stärken, Engagement zu fördern?
00:20:26: Weil die Erkenntnis ist ja da.
00:20:27: Wie wichtig das Ganze ist und welche Priorität hat das Ganze?
00:20:31: Was sind denn Ihren Augen der wichtigsten Hebel seitens der Politik?
00:20:35: Naja also ich glaube erstmal die Erkennung.
00:20:36: es gibt nicht den einen Hebel aber es müssen viele Dinge passieren.
00:20:42: Es muss natürlich auf jeden Fall gute Politik gemacht werden, damit Menschen – wir haben eben drüber gesprochen – Vertrauen fassen können.
00:20:48: Damit Menschen auch merken meine Stimme zählt es ändert sich was wenn sich eine Regierungsfarbe, eine Regierungszusammensetzung ändert.
00:20:56: das ist schon notwendig.
00:20:58: Wir haben aber in den vergangenen Jahren Nun doch auch leider lernen müssen, dass selbst wenn Probleme angegangen werden sich Politiken ändern.
00:21:07: Wenn sich Dinge auch zum besseren ändern das nicht unbedingt automatisch dazu führt, dass die Menschen dann zurückkehren zu den Parteien oder auch sofort wieder Vertrauen in die Demokratie fassen.
00:21:18: Insofern gute Politik ja klare Kante aus meiner Sicht gegenüber extremen.
00:21:23: Wir müssen einfach sehr deutlich machen, was die Grenzen unseres Grundgesetzes sind, was zulässig ist und was nicht.
00:21:30: Darin müssen wir auch im Übrigen die vielen ehrenamtlichen Akteure unterstützen, die damit ja vor Ort gefordert sind und in schwierige Fragen da kommen wie sie mit radikalen Tendenzen in den eigenen Reihen umgehen müssen.
00:21:42: Klare Abgrenzung von Extremen und natürlich weiterhin diejenigen unterstützen die dieses Land am Laufen halten, die Demokratie fördern.
00:21:51: Der Bundespräsident hat dafür hier das sehr schöne und wirklich überaus viel genutzte Mittel zum Beispiel des Bundesverdienstordens.
00:21:59: Wir haben jetzt gerade in letzte Woche einen Strahlsohn wieder diese Verdienstorden verliehen und ich kann Ihnen sagen, dass es für mich immer so ein Gänsehautmoment ist.
00:22:08: Das sind einfach so tolle Leute, die so unterschiedliche Sachen machen ganz unterschiedlich Hintergründe haben, unterschiedlich alt sind.
00:22:17: Auf diesen Veranstaltungen bin, denke ich immer.
00:22:19: Es ist bei Weitem nichts verloren wenn diese Menschen in unserem Land leben und das gehört eben auch zur Wahrheit.
00:22:26: Ich will überhaupt nicht schön reden.
00:22:27: wir machen uns große Sorgen um Tendenzen der Demokratiefeindlichkeit in unserem land aber zum Bild gehört eben Auch dass es diese Mitte schon gibt.
00:22:37: von vielen vielen vielen tausende Menschen die sich einsetzen Und die diese Demokratie erhalten und stärken wollen
00:22:43: Gebe ich Ihnen völlig recht.
00:22:44: eine liebe Freundin von Mimitra Kassai wurde ausgezeichnet, weil sie sich ganz toll für Seniorinnen und Senioren-Senioritas in Hamburg einsetzt.
00:22:52: Ganz tolle Initiative mit All inklusiv.
00:22:54: aber trotzdem finde ich zum Beispiel dass diese Menschen so wenig Sichtbarkeit haben.
00:22:58: also es natürlich ist die lokal bekannt und natürlich gab's ja auch ein Palittfassollen wo man das gesehen hat das hier aufgezeichnet wurde.
00:23:03: Aber ich finde das wäre auch so'n Appell an den Medien.
00:23:05: Das sollte bundesweit viel mehr Aufmerksamkeit bekommen Weil man diese Initiativen zum Teil einfach gar nicht kennt nicht in dieser Blase unterwegs ist und das finde ich unheimlich wichtig.
00:23:15: Ja, darum bemühen wir uns natürlich auch.
00:23:17: Ich sage immer der Bundespräsident ist halt sowas wie ein großer Scheinwerfer, der wo er steht und geht sozusagen das seine Macht eigentlich ist dass er sozusagen den Scheinwärfer auf Leute richten kann die eben auch Gutes tun und damit auch versuchen kann so ein bisschen den Diskurs zu ändern.
00:23:31: aber was sie sagen das würde ich mir wirklich auch so wünschen wenn wir uns die Talkschuss angucken oder so dass da mal so ein paar Leute eingeladen werden die vor Ort wirklich konkret etwas bewegen.
00:23:39: Das betrifft diese Ordnesträger Aber eben auch die Bürgermeister.
00:23:42: Wir haben ja mit der Körberstiftung zusammen schon tolle Veranstaltung mit den ehrenamtlichen Bürgermeistern gemacht.
00:23:46: Und als wir das das erste Mal gemacht haben, habe ich danach zu ein paar Journalisten gesagt ihr müsstet die mal reden hören diese Leute?
00:23:54: Die haben eine ganz andere Sprache!
00:23:58: Menschen.
00:23:59: Und gleichzeitig sind die ja trotzdem sehr gut darin, auch in der Öffentlichkeit zu sprechen.
00:24:04: Die kennen das aus Innenstadträten und Gemeindeversammlungen und so.
00:24:07: Also sie sind ja nicht schüchtern oder verdruckst.
00:24:10: Die könnte man ruhig auch mal bundespolitisch stärker wahrnehmen.
00:24:13: Das wäre auf jeden Fall eine gute Idee!
00:24:15: Ja und ich finde bei all den Entwicklungen, die wir zur Zeit machen können, die irgendwie auch besorgniserregend sind.
00:24:21: Wenn wir über unsere Demokratie sprechen macht gerade der Austausch mit solchen Menschen, finde ich immer sehr viel Hoffnung was gut tut.
00:24:27: Was macht Ihnen denn persönlich Hoffnung für unsere demokratische Kultur?
00:24:32: Na,
00:24:32: mir macht Hoffnung die große Resonanz, die wir jetzt auf diese Initiative erntag bekommen haben.
00:24:37: Also das ist bei all denen, die da viel Arbeit im Hintergrund leisten am Ende doch so einfach ist, die Leute anzuknipsen wenn man mit einer Idee kommt, die irgendwie einfach ist und für alle überzeugend.
00:24:49: Lass uns einfach mal einen Tag lang zusammenschuften, ungefähr die Ärmel hochkrempeln und wir tun einfach mal was!
00:24:54: Und es ist einfach so überwältigend, was sich da jetzt schon für tolle Initiativen in diesen... Wir haben eine Website in diesen Engagementfinder eingetragen.
00:25:04: Mit den kreativsten und unterschiedlichsten Dingen ganz konkreten Hilfsaktionen aber auch eben kreativen Graffiti Spray-Aktionen zum Grundgesetz oder Papierboote basteln mit Wünschen für die Zukunft.
00:25:16: Ganz viele tolle Ideen, die irgendwie Lust machen und die mich voller Vorfreude auf diesem Tag erfüllen.
00:25:22: Ich hoffe wirklich dass das ein fest wird, an dem viele Menschen Spaß haben und abends ins Bett gehen.
00:25:26: Und denken Mensch das heute habe ich mal was Sinnvolles gemacht und es hat sich irgendwie gut angefühlt.
00:25:31: Ein sehr, sehr wichtiges und spannendes Thema.
00:25:32: Herzlichen Dank!
00:25:33: Es gibt viel zu tun.
00:25:34: Es gibt viele Menschen die hoffentlich noch aktiviert werden können.
00:25:37: Es sind viele Menschen, die schon aktiv sind und hoffentlich weiterhin gestärkt und motiviert und vor allem auch geschützt werden können.
00:25:44: es braucht natürlich auch Ressourcen und finanzielle Mittel und gute Menschen die mitmachen aber das sind ganz viele Baustellen.
00:25:49: umso schöner ist die Tatsache dass das Bundespräsidial am dieses Thema tatsächlich ganz oben auf der Agenda hat.
00:25:55: Und was glauben Sie?
00:25:57: Wie können wir Gesellschaft besser machen.
00:25:59: Ich
00:25:59: glaube, wir können Gesellschaft bessermachen wenn die Menschen ermutigen und es ihnen ermöglichen ihre Stärken einzubringen.
00:26:05: Ganz herzlichen Dank für diesen Austausch und viel Erfolg weiterhin!
00:26:09: Vielen Dank für Ihre Zeit und vielen dank auch an euch liebe Zuhörende.
00:26:12: ich hoffe ihr habt Wenn ihr noch nicht aktiv seid jetzt Lust bekommen mit zu machen und dann hören wir uns beim nächsten Mal.
00:26:18: Vielen Dank Dörte Dinger.
00:26:19: Danke
00:26:19: schön hat Spaß gemacht.
00:26:20: Tschüss Gesellschaft besser machen, eine Podcastproduktion der Körberstiftung.
00:26:28: Projektleitung Amira Nauman Moderation und Redaktion Muster Scherzada.
00:26:35: Wenn euch dieser Podcast gefällt dann abonniert ihn gerne und lasst eine Bewertung da!